Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 45 - 15.10.2020

Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut: Armut auch in Bayern überall und in allen Formen beenden

Di Pasquale: „Aus der Corona-Krise darf keine soziale Krise entstehen.“

Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut erklärt Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern: „Wir müssen Armut überall und in allen Formen beenden. Dort, wo Armut ist, ist auch Reichtum. Gerade jetzt ist es wichtig, dass starke Schultern mehr beitragen und es nicht zu Kürzungen im Sozialbereich kommt. Bayern muss bei der Armutsbekämpfung endlich ernst machen. Aus der Corona-Krise darf keine soziale Krise entstehen.“

Fast jede siebte Person in Bayern ist von Armut bedroht. Die Entwicklung ist eindeutig. Zwischen 2009 und 2019 stieg die Armutsgefährdung von 13,7 auf 14,7 Prozent.

Dabei sind die Gesichter der Armut vielfältig. Allein mehr als 200.000 Menschen in Bayern sind auf die Angebote der Tafeln angewiesen. Zudem verschärft die Corona-Krise die private Überschuldung mit der Konsequenz steigender Privatinsolvenzen. Darüber hinaus steigt seit Jahren die Armutsgefährdung im Alter. Gründe hierfür liegen unter anderem in der Verwilderung des Arbeitsmarktes. So liegt der Anteil der atypischen Beschäftigung in Bayern seit Jahren auf einem hohen Niveau. Mittlerweile ist nahezu jede und jeder Fünfte davon betroffen. Dabei ist bekannt, dass aus Armutslöhnen nur Armutsrenten hervorgehen können. Besonders alarmierend ist die hohe Betroffenheit von Kindern. Mehr als 136.000 Kinder in Bayern leben in Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften.  Entsprechend ist auch die Armutsgefährdungsquote von Kindern in Bayern (16,8 Prozent) im Vergleich zur Quote der Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich hoch.

Di Pasquale hierzu: „Kinderarmut ist besonders besorgniserregend. Sie bedeutet nicht nur Mangel und Unterversorgung im Hier und Jetzt, sie hat auch langfristige negative Auswirkungen. Hierdurch werden Kinder ihrer Zukunfts- und Entwicklungschancen beraubt. Als DGB Bayern fordern wir eine Kindergrundsicherung, mit der endlich alle Kinder und Jugendlichen aus dem Hartz IV-System herausgenommen werden.“

Dabei dürfe es laut Di Pasquale jedoch nicht bleiben: „Die Kindergrundsicherung als monetäre Leistung muss durch eine bedarfsgerechte soziale Infrastruktur ergänzt werden. Dazu muss die öffentliche Kinderbetreuung quantitativ weiter ausgebaut und qualitativ verbessert werden. Im Bildungsbereich sind grundlegende Reformen notwendig, die sicherstellen, dass der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufgebrochen wird. Denn die Chancen auf gute Bildung dürfen nicht weiter vom Portemonnaie der Eltern abhängen“, so Di Pasquale abschließend.


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