Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 53 - 22.10.2018

DGB-Jugend Bayern veröffentlicht Ausbildungsreport 2018

Scholl: „Die Entgrenzung der Ausbildungszeit ist für die Auszubildenden eine enorme Belastung, die wir so nicht hinnehmen werden!“

Ständige Erreichbarkeit, Schichtarbeit und regelmäßige Überstunden sind heute für viele Auszubildende Alltag und stellen für sie zunehmend eine Belastung dar. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des „Ausbildungsreport Bayern 2018“, den die DGB-Jugend Bayern in diesem Jahr bereits zum siebten Mal veröffentlicht hat. Insgesamt wurden für diese repräsentative Studie über 2.000 Jugendliche im dualen Ausbildungssystem in Bayern zur Qualität ihrer Ausbildung befragt.

Der Schwerpunkt des diesjährigen Reports liegt auf der Arbeitszeit in der Ausbildung. Die Befragung zeigt, dass über ein Fünftel der befragten Auszubildenden regelmäßig im Schichtdienst tätig ist. „Gerade Auszubildende im Schichtsystem haben große Schwierigkeiten, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen. Dies ist jedoch ein wichtiges Kriterium für die Attraktivität eines Ausbildungsunternehmens“, sagt Andro Scholl, Bezirksjugendsekretär des DGB Bayern. Scholl zufolge seien hiervon vor allem Hotelfachleute (73,9 Prozent) und VerkäuferInnen (65,1 Prozent) betroffen. „Entsprechend ist es wenig überraschend, dass Auszubildende in diesen Berufen seltener zufrieden mit ihrer Ausbildung sind als diejenigen, die nicht von Schichtarbeit betroffen sind“, so Scholl.

Daher fordert Scholl die Ausbildungsbetriebe auf, grundsätzlich keine Schichtmodelle in der Ausbildung anzuwenden. „Wenn sie aber unvermeidbar sind, müssen Jugend- und Auszubildendenvertretungen und Betriebsräte mitbestimmen, dass Jugendarbeitsschutz und die darin festgehaltenen Pausenzeiten eingehalten werden und die gleichen Sonderzahlungen und Zuschläge Anwendung finden, wie auch bei FacharbeiterIinnen. Teilschichtsysteme für Auszubildende lehnen wir dagegen ab“, betont Scholl.

Dr. Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, erwartet von den Ausbildungsbetrieben, an ihrer „Ausbildungsreife“ zu arbeiten und für gute Ausbildungsbedingungen für junge Menschen zu sorgen: „Ausbildungsreife Unternehmen bieten ihren Auszubildenden eine umfassende Betreuung, sie bezahlen besser und haben eine hohe Tarifbindung sowie allgemein eine höhere Ausbildungsqualität.“ All dies sei laut Di Pasquale dringend notwendig, um die Attraktivität der Ausbildung zu erhöhen und motivierte Auszubildende für die Ausbildung zu gewinnen.

Darüber hinaus seien laut Di Pasquale die Arbeitgeber in der Verantwortung, allen jungen Menschen in Bayern unabhängig von Schulabschluss, sozialem Status oder Nationalität eine gute berufliche Zukunftsperspektive zu bieten: „Vor allem junge Menschen mit einem niedrigeren Bildungssabschluss haben häufig keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Sich über den Fachkräftemangel beschweren und dann bei der Auswahl ihrer Auszubildenden Rosinenpickerei betreiben – das passt vorne und hinten nicht zusammen,“ kritisiert Di Pasquale.

Ausbildungsreport 2018 Cover

Mit einem Klick auf das Titelbild gelangen Sie zur digitalen Ausgabe des Ausbildungsreports
Bayern 2018.


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