Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 54 - 30.10.2018

Ausbildungsbilanz 2018: Betriebe müssen Potenziale nutzen!

Scholl: „Jeder junge Mensch in Bayern verdient einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsplatz!“

Anlässlich der heute veröffentlichten bayerischen Ausbildungsmarktzahlen plädiert der DGB Bayern für eine kritische Betrachtung der Ausbildungsbilanz. 16.236 Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt (2017: 14.372) und trotzdem sind 1.063 Ausbildungsinteressierte in Bayern ohne Ausbildungsplatz (2017: 1.243). „Auch wenn die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist, bleibt es ein untragbarer Zustand, dass seit etlichen Jahren tausende Stellen trotz einer hohen Zahl Suchender unbesetzt bleiben“, kritisiert Andro Scholl, Bezirksjugendsekretär des DGB Bayern. Scholl zufolge müsse sich in bestimmten Branchen unbedingt die Attraktivität der Ausbildung erhöhen, um ein weiteres Auseinanderklaffen zwischen Ausbildungsinteressierten und unbesetzten Ausbildungsplätzen zu verhindern.

Das Paradox, dass Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, obwohl Ausbildungsinteressierte noch nach Ausbildungsplätzen suchen, erklärt sich zum einen durch die dauerhaft schlechte Ausbildungsqualität in einzelnen Branchen. Zum anderen suchen immer mehr Betriebe gezielt nach Bewerberinnen und Bewerbern mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur. Daher bleiben Ausbildungsinteressierte mit formal niedrigerer Qualifikation oftmals auf der Strecke. Scholl fordert die Ausbildungsbetriebe auf, sich allen Ausbildungsinteressierten zu öffnen: „Jeder junge Mensch in Bayern verdient einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsplatz und eine gute berufliche Zukunftsperspektive – und zwar unabhängig von Schulabschluss, sozialem Status oder Nationalität. All diejenigen, die über den Fachkräftemangel jammern, sind gut beraten, diese Potenziale auch zu nutzen und nicht leichtfertig zu vergeuden,“ sagt Scholl.

Auch in diesem Jahr entfällt ein Großteil der unbesetzten Ausbildungsplätze auf das Lebensmittelhandwerk, den Einzelhandel und das Hotel- und Gaststättengewerbe. Der aktuelle „Ausbildungsreport Bayern 2018“ der DGB-Jugend Bayern (https://bayern.dgb.de/-/2Sj) zeigt, dass gerade in diesen Branchen die Ausbildungsqualität seit Jahren schlecht bewertet wird. „Hier ist vor allem eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen zwingend notwendig. Speziell beim Thema ‚Arbeitszeit‘ gibt es noch akuten Nachholbedarf. Viele Auszubildende sind im Schichtdienst tätig, leisten regelmäßig Überstunden oder müssen rund um die Uhr erreichbar sein. Auch kommt es in diesen Branchen relativ häufig zu Verstößen beim Jugendarbeitsschutz. Unbesetzte Stellen oder gar Ausbildungsabbrüche sind da nur die logische Konsequenz", so Scholl.

Aus diesem Grund appelliert Scholl an die Ausbildungsbetriebe, endlich gute Ausbildungsbedingungen zu schaffen: „Ausbildungsreife Unternehmen sorgen für eine angemessene Bezahlung, bestmögliche Unterstützung und Ausbildungsbedingungen, die den Azubis ermöglichen, Privatleben und Beruf miteinander zu vereinbaren!“


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