Deutscher Gewerkschaftsbund

05.11.2012

Streitzeit: Gute Pflege hat ihren Preis

Der demografische Wandel zeigt sich auch in Bayern von seiner besten Seite. Die Menschen werden älter. Männer haben eine Lebenserwartung von 78, Frauen von 83 Jahren. Damit erhöht sich der potenzielle Pflegebedarf. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) schätzt, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2007 und 2020 um ein Drittel auf 411.000 erhöhen könnte. Gleichzeitig wollen laut IAB aber immer weniger Menschen als nötig wären in der Pflege arbeiten. Was also muss passieren, damit sich auch in Zukunft ausreichend Menschen finden, die sich um die Pflegebedürftigen kümmern?

Beschäftigungsmotor Pflege

Zwischen 2000 und 2010 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der bayerischen Gesundheitswirtschaft um 21,7% auf 448.600. Die Gesamtbeschäftigung in Bayern erhöhte sich im gleichen Zeitraum um nur 4,6%. Innerhalb des Gesundheitssektors arbeiteten in Krankenhäusern 42%, in Arztpraxen 20% und in Pflegeheimen 15%. Häufigster Beruf ist Krankenschwester/-pfleger.

Diagnosen

Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versichertenjahre ausgewählter Diagnosen
Quelle: AOK, in: Report Pflege 2011 – Betriebliche Gesundheitsförderung
AOK Bayern

Ernste Belastungsprobe

Nach Angaben der AOK Bayern ist der Krankenstand in der bayerischen Pflegebranche alarmierend. Er stieg 2011 gegenüber dem Vorjahr um fast fünf Prozent. Die Beschäftigten sind aufgrund der Belastungen vor allem häufiger und länger krank als in anderen Branchen. Insbesondere werden immer mehr arbeitsunfähig, weil sie an psychischen Störungen oder Muskel-Skelett-Erkrankungen leiden. Auch kommen Atem- oder Kreislaufstörungen in Pflegeberufen häufiger vor als in anderen Branchen.

Beschäftigte in Bayern gehen mit durchschnittlich 61 Jahren in den Altersruhestand. Beim Ausstieg aus gesundheitlichen Gründen liegt der Durchschnitt bei 53 Jahren. Laut dem 3. bayerischen Sozialbericht scheiden Pflegekräfte früher als üblich aus gesundheitlichen Gründen aus, nämlich mit durchschnittlich 51 Jahren.

Jugend wieder begeistern

Das IAB prognostiziert für Bayern in den kommenden Jahren einen sich weiter vergrößernden Mangel an Pflegekräften, wenn nicht gegengesteuert wird. Dazu zählt aus Sicht des IAB: Eine bessere Bezahlung von Pflegekräften, eine kostenlose Altenpflegerausbildung, eine bessere Weiterbildung und familienfreundliche Arbeitszeiten. Weiterhin gelte es dafür zu sorgen, dass mehr Jugendliche für eine Ausbildung im Gesundheitsbereich begeistert werden können.


Leiharbeit boomt!

Obwohl viele Betriebe und Verbände einen Mangel an Fachkräften in der Gesundheitswirtschaft beklagen, stellt die Bundesagentur für Arbeit einen rasanten Anstieg der Leiharbeit in Altenheimen und Krankenhäusern fest. Demnach ist die Anzahl der verliehenen Pflegekräfte zwischen 2005 und 2011 um mehr als 400% angewachsen.

Streitzeit 11/2012: Gute Pflege hat ihren Preis (PDF, 219 kB)

Der demografische Wandel zeigt sich auch in Bayern von seiner besten Seite. Die Menschen werden älter. Und es erhöht sich der potenzielle Pflegebedarf. Aber es wollen immer weniger Menschen als nötig wären in der Pflege arbeiten. Das hat gute Gründe.

Diese rund 16.000 Leiharbeitskräfte verdienen im Schnitt etwa 1.600 Euro brutto im Monat, ein Drittel weniger als reguläre Mitarbeiter. Leiharbeit und Niedriglöhne als Instrumente zur Kostensenkung breiten sich auch in der Pflegebranche weiter aus.

Diese Strategie ist falsch! Gute Arbeits- und Entlohnungsbedingungen sind das A und O, um qualifizierte Fachkräfte für den Pflegebereich zu gewinnen und auch halten zu können. Gute Pflege hat eben ihren Preis!


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