Deutscher Gewerkschaftsbund

11.11.2019

Streitzeit - In Ausbildung investieren!

Ausbildungsfremde Tätigkeiten, unbezahlte Überstunden und regelmäßige Überschreitungen der wöchentlichen Höchstarbeitszeit durch minderjährige Auszubildende sind in bayerischen Ausbildungsbetrieben noch immer an der Tagesordnung. Das zeigt der neue „Ausbildungsreport Bayern 2019“ – eine repräsentative Studie zur Ausbildungsqualität im Freistaat, die die DGB-Jugend Bayern in diesem Jahr bereits zum achten Mal veröffentlicht hat. (Download unter https://bayern.dgb.de/-/SJk)

Schwerpunkt Digitalisierung

Der Schwerpunkt des diesjährigen Reports liegt auf dem Thema Digitalisierung. Die Ergebnisse untermauern eindrücklich die Bedeutung, die das Thema für die meisten Auszubildenden in Bayern erlangt hat. 78,4 % der Befragten sind der Meinung, dass Digitalisierung in ihrem Beruf wichtig ist. Allerdings sehen sich lediglich 72,6 % auf diese gut vorbereitet. Und nur 58,8 % gaben an, auch gezielt für die Nutzung digitaler Technologien geschult zu werden. Von denjenigen, die digitale Technologien wichtig finden, fühlen sich 32 % nicht entsprechend vorbereitet. Die Berufsausbildung muss jedoch junge Menschen für die digitale Arbeitswelt qualifizieren, moderne Lehr- und Lernmethoden anwenden und hochwertige Ausbildungsbedingungen bieten. Das gilt für Betriebe und Berufsschulen gleichermaßen. Aber auch die Berufsschulen kommen dieser Verpflichtung nicht in ausreichendem Maße nach. Denn nur 43 % der Befragten sehen diese „gut“ oder „sehr gut“ ausgerüstet und nur 36 % sehen sich an der Berufsschule „sehr gut“ oder „gut“ auf den Umgang mit Technologien vorbereitet. Daher sind Investitionen in die materielle und personelle Ausstattung der Berufsschulen zwingend erforderlich!

Negativrekorde bei der Ausbildungsqualität

Der diesjährige Report zeigt auf, dass 72 % der Befragten mit der Ausbildung zufrieden sind. Das ist zwar eine hohe Zufriedenheit, aber auch der Tiefstwert, seitdem der bayerische Report veröffentlicht wird. 17,3 % der Befragten müssen ausbildungsfremde Tätigkeiten ableisten. Auch das ist der bisher schlechteste Wert. Im Vergleich zu den letzten Jahren weist der Ausbildungsreport zwei weitere Negativrekorde auf. Einerseits bei der Präsenz von Ausbilder_innen im Betrieb. So ist bei 10,5 % ein ein_e Ausbilder_in „selten“ oder „nie“ präsent. Andererseits bewerten nur noch 57,9 % die fachliche Qualität der Berufsschule „gut“ oder „sehr gut“. Zudem leisten 41,5 % der Auszubildenden regelmäßige Überstunden und 13,5 % der minderjährigen Auszubildenden arbeiteten mehr als 40 Stunden pro Woche. Hier liegen klare Verstöße gegen gesetzliche Regelungen vor, die nicht länger toleriert werden dürfen!

Mit Mitbestimmung läuft es besser!

Mitbestimmung wirkt und macht stark. Das zeigt sich bei den Ergebnissen der Ausbildungsqualität, aber auch beim Thema Digitalisierung. In Betrieben mit Jugend- und Auszubildendenvertretungen fühlen sich Azubis besser auf die Digitalisierung vorbereitet (79,9 %) als in Betrieben ohne Mitbestimmungsstrukturen (69 %).

Grafik Ausbildungsreport 2019

Für 78,4 Prozent der Befragten ist die Digitalisierung in der Ausbildung (sehr) wichtig, aber nur 59 Prozent werden hierfür auch gut qualifiziert. DGB

Anreize schaffen – Attraktivität erhöhen!

Alle jungen Menschen haben ein Recht auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung und somit auf eine gute berufliche Zukunftsperspektive. Aber auch in diesem Jahr blieben wieder 1.010 Ausbildungsinteressierte in Bayern ohne Ausbildungsplatz auf der Strecke, obwohl es noch 15.562 Ausbildungsstellen zu besetzen gab. Warum das so ist? Weil viele Unternehmen in Bayern bei der Auswahl ihrer Auszubildenden Rosinenpickerei betreiben und rigoros nach Schulabschluss und Noten aussortieren. Die Betriebe müssten gerade in Zeiten des von ihnen so beklagten Fachkräftemangels viel größere Anstrengungen unternehmen, um ihre Ausbildungsplätze auch zu besetzen. Hier gilt es Anreize zu schaffen und die Attraktivität des eigenen Ausbildungsberufes zu erhöhen. Dazu gehören neben Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Auszubildenden auch eine hervorragende Betreuung sowie eine gute Vergütung. Nur so können sie die Attraktivität der Ausbildung wieder erhöhen und motivierte Bewerberinnen und Bewerber für die Ausbildung gewinnen.

 Die Streitzeit im PDF-Format zum Download:


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