Deutscher Gewerkschaftsbund

18.03.2019

Streitzeit - Mehr Gleichstellung wagen!

Jedes Jahr am Equal Pay Day steht die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Fokus. In Bayern beträgt die Entgeltlücke 24 Prozent. Seit Jahren sind hier keine Fortschritte erkennbar.

Was steckt dahinter?

Auch im Bayern des 21. Jahrhunderts kann von einer Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt noch immer keine Rede sein. Die Bezahlung ist in frauendominierten Berufen, etwa in der Pflege, deutlich schlechter. Frauen steigen seltener in besser vergütete Führungspositionen auf. Auch unterbrechen sie häufiger ihre Berufstätigkeit für die Betreuungsarbeit in der Familie. Zudem sind vor allem Frauen, oftmals unfreiwillig, in Teilzeit oder auch geringfügig beschäftigt oder sie stecken in der Teilzeitfalle fest. Das alles wirkt sich nicht zuletzt auch auf die eigenständige Absicherung im Alter aus (siehe nebenstehende Spalte).

Blick in die Familien

Stellen wir uns eine bayerische Familie vor: Beide Partner sind gut ausgebildet und in ihren Berufen erfolgreich. Dann passiert es. Das erste Kind kündigt sich an und Entscheidungen müssen getroffen werden. Jenseits der in Bayern noch immer berechtigten Frage, ob sich ein passender Betreuungsplatz findet, beginnen Mechanismen zu wirken, die diese junge Familie zuvor nur aus der Theorie kannte.

Mechanismen der Ungleichheit

Bereits beim Antrag zum Elterngeld wird schnell klar, dass es angesichts der Verdienstunterschiede dieses Paares ökonomisch sinnvoll erscheint, wenn der Mann höchstens die zwei „Vätermonate“ Elternzeit übernimmt und die Betreuungs- und Hausarbeit der Frau obliegt. Das wegfallende Einkommen der Frau wird teilweise durch Mehrarbeit beim Mann ersetzt. Auch im Falle des erfolgreichen Ergatterns eines Betreuungsplatzes für das Kind setzen weitere Mechanismen der Ungleichheit ein. Das Ehegattensplitting bewirkt nicht selten, dass sich eine nennenswerte Erwerbsbeteiligung der Frau eher kontraproduktiv auswirkt. Die begonnenen, althergebrachten Rollen verfestigen sich.

Was ist zu tun?

Alle Dimensionen der Benachteiligung müssen zügig und konsequent angepackt werden. Eine große Hürde bei der Erwerbsbeteiligung sowie bei konstanten Erwerbsverläufen ist nach wie vor die mangelhafte Betreuungssituation in Bayern. Dies beginnt bereits im Krippenalter und zieht sich bis hinein in den Schulunterricht. Auch die oftmals schlechtere Bezahlung in frauendominierten Berufen gilt es über Aufwertungsstrategien zu beseitigen. Da zwei Drittel der Frauen vom neuen Entgelttransparenzgesetz ausgenommen sind, bedarf es auch hier wirksamerer Mittel. Mit dem Gesetz zur Brückenteilzeit wurde ein erster Schritt hin zu einer modernen Arbeitszeitpolitik gegangen. Weitere müssen folgen, damit auch Frauen in Betrieben mit weniger als 45 Beschäftigten in den Genuss dieses Gesetzes kommen. Auch das Steuerrecht darf kein Tabu bleiben. Es gilt, endlich mehr Gleichstellung zu wagen! 

Beispielrechnung: 20-jährige Auszubildende im ersten Ausbildungs-jahr (Lohnsteuerklasse I, ohne Kinder, ohne Kirchensteuer, Bayern)

Das Entgelttransparenzgesetz hat bislang noch nicht die gewünschte Wirkung erzielt - auch aufgrund der Tatsache, dass viele Frauen durch die Beschränkungen ausgeschlossen werden. Böcker Impuls 01/2019

Was sind die Konsequenzen?

In allen Alterskategorien sind Frauen in Bayern stärker von Armutsgefährdung betroffen als Männer. Besonders hoch ist die Gefährdung im Alter. Gemäß amtlicher Sozialberichterstattung lag die Armutsgefährdungsquote in Bayern im Jahr 2017 bei Frauen über 65 Jahren bei besorgniserregenden 24,5 Prozent. Als armutsgefährdet galt, wer weniger als 1.074 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Der Blick in den Rentenreport 2018 des DGB Bayern zeigt, dass besonders viele Neurentnerinnen mit ihren Ansprüchen an die gesetzliche Rentenversicherung an dieser Hürde scheitern. So landeten mehr als 70 Prozent der Frauen in Bayern, die 2017 erstmals eine Altersrente bezogen, unterhalb dieser Schwelle. Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern lag, bezogen auf die gesetzliche Altersrente in Bayern, bei 37 Prozent. Damit ist die bereits im Erwerbsleben wirkende Benachteiligung in Form des Gender Pay Gap, der in Bayern überdurchschnittliche 24 Prozent beträgt, bei der Rente nochmals höher.

 

Die Streitzeit im PDF-Format zum Download:


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