Deutscher Gewerkschaftsbund

19.11.2020

Report des DGB Bayern: "Tatort Niedriglohn in Bayern"

Auswertung des Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) im Auftrag des DGB Bayern

Der neue Report des DGB Bayern "Tatort Niedriglohn in Bayern" macht deutlich: Bayern ist in Sachen Lohn und Entgelt keineswegs ausschließlich das Land der Glückseligen. So waren im Jahr 2018 16,9 Prozent der abhängig Beschäftigten in Bayern im Niedriglohnsektor tätig. Damit lagen rund eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihrem Einkommen unter der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro brutto die Stunde. Dabei ist noch unberücksichtigt, dass Bayern ein Hochlohnland ist und daher die genannte Zahl den Niedriglohnsektor kleiner darstellt, als dieser tatsächlich ist.

Seite 1 Report Tatort Niedriglohn 2020

DGB Bayern

Zentrale Ergebnisse:

Bei Betrachtung anderer europäischer Länder fällt auf, dass das Niedriglohnrisiko in Deutschland und Bayern vergleichsweise hoch ist. So haben Länder wie Schweden, Belgien, Finnland und Frankreich allesamt einen Niedriglohnanteil von teils deutlich unter 10 Prozent.

In Bayern ist das Niedriglohnrisiko besonders hoch für Beschäftigte in einem Minijob (knapp 70 %), gering Qualifizierte (38,2 %), Jüngere unter 25 Jahren (37,1 %) sowie Beschäftigte aus Kleinunternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten (knapp 34 %)“. Ebenso sind Frauen in Bayern einem überdurchschnittlichen Niedriglohnrisiko (24,6 %) ausgesetzt. Aus diesem Grund sind sie im bayerischen Niedriglohnsektor mit 71,2 Prozent auch deutlich überrepräsentiert, während nur 28,8 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten männlich sind.

Darüber hinaus haben Niedriglohnbeschäftigte ein fast dreimal so hohes Armutsrisiko (16,3 %) wie abhängig Beschäftigte insgesamt (5,5 %). Ein geringer Lohn im Arbeitsleben führt zu Altersarmut. Eine Spaltung der Gesellschaft in arm und reich, prekär und regulär beschäftigt, ist somit vorprogrammiert.

Die Forderungen des DGB Bayern:

Gute Arbeit mit einem guten Einkommen hängt maßgeblich von einer starken Tarifbindung ab. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1% lag, galt dies für nur 8,1 % der Beschäftigten mit Tarifbindung. Daher braucht es in Bayern endlich ein bayerisches Tariftreue- und Vergabegesetz. Hierdurch dürfen Unternehmen nur noch dann öffentliche Aufträge und öffentliche Fördergelder erhalten, wenn sie ihren Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen auf Grundlage eines Tarifvertrags ermöglichen.

Ebenso wichtig ist das Zurückdrängen der atypischen und prekären Beschäftigung. Der Anteil atypischer Beschäftigung an den Kernbeschäftigten betrug für Bayern zuletzt 19,6 Prozent. Die Bandbreite reicht von Menschen mit einem unsicheren Arbeitsplatz (bspw. Befristungen) über Leiharbeitskräfte bis hin zu Minijobber*innen. Atypische Beschäftigung birgt ein hohes Armutsrisiko – heute und im Alter. Deshalb ist ein schneller Ausstieg aus dem Minijobsystem notwendig. Es geht darum, dass jede Arbeit vom ersten Euro an sozialversicherungspflichtig ist. Der völlig falsche Weg wäre es, die Einkommensgrenzen weiter anzuheben. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, wie mangelhaft die soziale Absicherung dieser Beschäftigungsform ist.

 

Mehr lesen Sie in unserem vollständigen Report, der hier heruntergeladen werden kann:


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