Deutscher Gewerkschaftsbund

01.02.2021

Streitzeit: Die Rente muss zum Leben reichen!

Rund 81 Prozent der Frauen und knapp 45 Prozent der Männer, die 2019 in Bayern in Rente gingen, blieben mit ihrer gesetzlichen Rente unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle von 1.155 Euro. Das ist eines der alarmierenden Ergebnisse, die der Rentenreport 2021 des DGB Bayern ans Licht gebracht hat. Auch die Altersarmut steigt an – und das im reichen Bayern. 2019 lag die Armutsgefährdungsquote für Menschen ab 65 Jahren bei 22 Prozent. Bei älteren Frauen war gar jede Vierte betroffen. 2005 waren es noch 4 bzw. 4,4 Prozentpunkte weniger. Darüber hinaus sind immer mehr Menschen auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen. Ende 2019 galt das für 126.096 Menschen, 2006 waren es noch 82.833. Und darin sind diejenigen, die ihren Anspruch aus Scham oder schlicht Unwissenheit nicht wahrnehmen, noch gar nicht enthalten.

Frauen hinken hinterher

Die eingangs genannten Zahlen lassen es schon vermuten: Auch zwischen den Geschlechtern gibt es bei der Rente noch immer beträchtliche Unterschiede. Während Neurentner im Jahr 2019 eine durchschnittliche Rente von 1.167 Euro erhielten, mussten Frauen, die 2019 erstmals eine Altersrente bezogen, mit 748 Euro auskommen. Damit ist der sogenannte „Gender Pension Gap“ mit 36 Prozent nochmals deutlich höher als die bestehenden Verdienstunterschiede von aktuell 23 Prozent zwischen Männern und Frauen in Bayern.

Psychische Belastungen in den Blick nehmen

Der Report zeigt auch: Viele Beschäftigte können gar nicht bis zum Renteneintritt einer Arbeit nachgehen, teils, weil sie nicht die Chance bekommen, oftmals sind aber auch gesundheitliche Gründe ausschlaggebend. Hauptdiagnose Nummer 1 für eine Erwerbsminderung sind noch immer psychische Erkrankungen. Von den Erwerbsminderungen bei Männern sind 33,9 Prozent auf diese Diagnose zurückzuführen. Frauen sind mit 44,7 Prozent nochmals häufiger betroffen. Daher ist es die Pflicht der Arbeitgeber, alles dafür zu tun, gute und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen zu schaffen sowie alters- und alternsgerechtes Arbeiten umzusetzen. Und der Freistaat muss sicherstellen, dass alle Arbeitgeber die Arbeitsschutzgesetze auch einhalten.

Die richtigen Lehren

Aus diesen Ergebnissen muss die Politik nun die richtigen Lehren ziehen. Es geht darum, die gesetzliche Rente deutlich zu stärken. Hierfür muss das Rentenniveau langfristig wieder auf mindestens 50 Prozent steigen. Zudem sind die atypischen Beschäftigungsverhältnisse zurückzudrängen und durch reguläre Beschäftigung zu ersetzen. Statt Niedriglöhnen und Minijobs braucht es gut bezahlte, tarifgebundene Arbeit für mehr Sicherheit und Perspektiven in der Arbeitswelt. Das wäre gerade vor dem Hintergrund, dass Frauen die Hauptlast der prekären Beschäftigung tragen, auch ein wichtiger Schritt hin zu mehr Gleichstellung.

Rentenreport Bayern 2021

Zum Rentenreport des DGB Bayern: https://bayern.dgb.de/-/vMb DGB Bayern

Mehr Sicherheit in der Krise

Die Corona-Krise zeigt deutlich, wie wichtig gut funktionierende soziale Sicherungssysteme für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. Gerade jetzt stehen sie für ein Mehr an Sicherheit. Die Menschen erleben, dass sie sich auf die Arbeitslosenversicherung, die Krankenversicherung und nicht zuletzt auch die verlässliche Zahlung ihrer gesetzlichen Rente verlassen können. Das kann kein privatisiertes System, kein Kapitalmarkt leisten. Daher sind wir jetzt gefordert, den Attacken gegen den Sozialstaat, die nun unter dem Corona-Deckmantel gefahren werden, weiterhin deutlich entgegenzutreten. Zuletzt ist es uns gegen den Widerstand von Wirtschaftsliberalen und Arbeitgebern gelungen, die Grundrente durchzusetzen. Rund 1,3 Millionen Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, erhalten damit einen Aufschlag auf ihre Rente. Das wird künftig einige Härten abfangen, doch für eine gute Alterssicherung braucht es weitere Maßnahmen. Hierfür werden wir uns im Bundestagswahljahr 2021 verstärkt einsetzen.

 


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