Deutscher Gewerkschaftsbund

28.09.2012

Bayern initiativ: Christen und Gewerkschafter fordern Wertewandel

von Florian Feichtmeier

1.200 Unterstützer schwer wiegt die Gründungserklärung der Kirchlich-Gewerkschaftlichen Initiative Bayern. Die Unterschriften wurden letzten Donnerstag feierlich im Landeskirchenamt in München übergeben. Führende Kirchen- und Gewerkschaftsvertreter betonten dabei ihre gemeinsamen Ziele.

Das neoliberale Konzept ist gescheitert und der Mensch muss wieder in den Mittelpunkt des Handelns gerückt werden, befinden Kirchen- und Gewerkschaftsvertreter in ihrer aktuellen Gründungserklärung der Initiative. 1.200 Funktionsträger unterschrieben die Verlautbarung. Darunter Vertreter evangelischer und katholischer Organisationen, prominente Gewerkschafter, Stadt- und Betriebsräte. Sie fordern unter anderem einen prägnanten Wertewandel in Wirtschaft und Politik, sowie die Einführung einer Transaktionssteuer und eines gesetzlichen Mindestlohns.

Übergabe der Unterschriften

Matthias Jena, Prälat Wolf und Landesbischof Bedford-Strohm nahmen Nägel und Unterzeichnerlisten entgegen. Foto: Norbert Feulner, kda Bayern

Auf den Kopf getroffen

Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, nahm im Landeskirchenamt vierhundert der Unterschriften entgegen – versinnbildlicht durch vierhundert auf den Kopf getroffene Nägel. Hans-Gerhard Koch, Initiator der Initiative, erklärte dazu: „Ich bin mit vielen anderen der Meinung, dass Kirche und Gewerkschaften durch gemeinsame Werte verbunden sind.“ Mehr konkrete Zusammenarbeit wünschten sich die Unterzeichner, sagte Koch.

Systemrelevant ist mehr

Matthias Jena begrüßte die Initiative und hob hervor, dass sie Augenmerk auf die notwendigen Konsequenzen aus der Finanzkrise lenke. Der Vorsitzende erinnerte an die Pleite der Bank Lehman Brothers vor vier Jahren, aus der bislang aber wenig Lehren gezogen worden seien. „Wer auf der Pferde-Rennbahn fünf Euro verwetten will, muss nach wie vor mehr Regeln und Gesetze beachten, als ein Investment-Banker, der in Sekundenbruchteilen Milliarden um den Erdball jagt“, sagte Jena. Außerdem laufe etwas „fundamental verkehrt“, so Jena weiter, „wenn wir das Wort 'systemrelevant' nur noch im Zusammenhang mit Banken kennen“. Systemrelevant sollte vielmehr sein, „ob Menschen ein würdiges Leben führen können“.

Entscheidend sind die Ziele

Der Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nahm ebenfalls vierhundert stilisierte Unterschriften entgegen, ebenso Prälat Lorenz Wolf des katholischen Büros Bayern. Mit deutlichen Worten warb der Landesbischof für eine stärkere Zusammenarbeit von Kirchen und Gewerkschaften und betonte deren gemeinsamen Ziele. Prälat Wolf bekräftigte indes, dass es gut zusammengehe, in einer katholischen Organisation beschäftigt und gleichzeitig Gewerkschaftsmitglied zu sein.

Die Wahlen fest im Blick

Zufrieden zeigte sich auch Initiator Koch. „Wir wünschen uns eine gemeinsame Kampagne von Kirchen und Gewerkschaften für einen ordentlichen Mindestlohn im Vorfeld der Bundestagswahl“, so Koch. Der DGB Bayern kündigte nur wenige Tage zuvor sein Programm für die kommenden Wahlen  2013 an. Die Schwerpunkte legt der bayerische Dachverband auf Arbeit, Bildung, Regional- und Strukturpolitik. Ein flächendeckender Mindestlohn ist Teil der Forderungen.


Nach oben