Deutscher Gewerkschaftsbund

21.01.2021

Streitzeit: Homeoffice gesetzlich regeln!

Die Corona-Krise zeigt viele gesellschaftliche Missstände auf, auch im Berufsleben. Laut einer WSI-Studie stieg der Anteil der Beschäftigten, die von zu Hause arbeiten konnten, in der ersten Welle der Pandemie auf 27 Prozent an, gegenüber 4 Prozent vor der Krise. Für die Betriebe und Verwaltungen kam es darauf an, unter Einbezug der Betriebs- und Personalräte schnelle Regelungen mit ihren Beschäftigten zu treffen. Denn steigende Fallzahlen und eine größere Anzahl an Erkrankungen und Todesfällen hätten zu einem völligen Zusammenbruch des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens führen können.

Kontakte minimieren!

Als im November 2020 der zweite Lockdown seinen Anfang nahm und die Fallzahlen sogar schon höher als im Frühjahr waren, lag die Homeoffice-Quote nur noch bei 14 Prozent. Kinder dürfen nicht in Schulen und Kitas, Geschäfte müssen schließen, aber die Beschäftigten müssen trotzdem im Büro antanzen? Wie kann das sein, wo doch die höchste Maxime derzeit lautet: Kontakte minimieren! Der DGB forderte schon lange vor der Krise gesetzliche Regelungen von mobiler Arbeit und Homeoffice – und zwar nicht nur, um die Homeoffice-Quote zu erhöhen, sondern auch um die Rechte der Arbeitnehmer*innen durch einen gesetzlichen Rahmen abzusichern und gute Regelungen für mobiles Arbeiten und Homeoffice festzuschreiben. Jetzt, im Januar, hat die Bundesregierung nach zahlreichen Appellen reagiert und eine „Homeoffice-Verordnung“ erlassen. Damit werden Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihren Beschäftigten dort, wo es machbar ist, Homeoffice zu ermöglichen. 

Und nach Corona?

Die Verordnung gilt nun vorerst bis zum 15. März, aber auch nach der Krise braucht es eindeutige gesetzliche Regelungen! Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte bereits einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der einen Rechtsanspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr beinhaltete. Dies wurde von CDU, FDP und Wirtschaftsverbänden torpediert. Nun ist lediglich noch ein „Recht auf ein Gespräch über Homeoffice mit dem Arbeitgeber“ vorgesehen. Das ist völlig inakzeptabel, hier muss dringend nachgebessert werden!

Forderungen des DGB

Ein solcher gesetzlicher Rahmen mit Gestaltungsspielraum für die Tarifparteien ist gerade auch im Hinblick auf eine größere Arbeitszeit- und Arbeitsortsouveränität elementar. Mitbestimmungsrechte für Betriebs- und Personalräte müssen ebenso gewährleistet sein wie der Arbeits- und Gesundheitsschutz im Homeoffice. Ausufernde Mehrarbeit und unbezahlte Arbeit sind dagegen unbedingt zu vermeiden. Klar ist auch, dass Homeoffice für die Beschäftigten freiwillig sein muss und die Arbeitgeber die notwendige Ausstattung zur Verfügung stellen müssen. Und den Gewerkschaften ist auch unter „digitalen Arbeitsbedingungen“ der Zugang in die Betriebe und Verwaltungen zu ermöglichen. Nur so haben sie die Chance, in der heute sehr fragmentierten Arbeitswelt die Beschäftigten zuverlässig zu erreichen.

 

Grafik Homeoffice-Nutzung während der Corona-Pandemie

Im November 2020 arbeiteten gemäß einer WSI-Studie deutlich weniger Beschäftigte von zu Hause aus als noch im April 2020. Hans-Böckler-Stiftung

Retraditionalisierung – nein danke!

Wie wichtig eine gesetzliche Regelung ist, die Arbeitnehmer*innenrechte im Homeoffice klar regelt, zeigen auch die Ergebnisse des DGB-Reports „Mehr als Homeoffice – Mobile Arbeit in Deutschland“. So fällt für viele Beschäftigte im Homeoffice nicht nur mehr Arbeit an als im Büro, sie leisten zu Hause auch mehr unbezahlte Arbeit. Daher ist gerade auch im Homeoffice eine Erfassung der Arbeitszeit besonders wichtig. Und auch die vielbeschworene Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewinnt durch das Homeoffice nicht an Fahrt. Studien zeigen, dass Frauen im Homeoffice mehr Care-Arbeit leisten als Männer. Dadurch wird gerade für Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Homeoffice erschwert. Alleinerziehende trifft das noch mal härter.

Gerade deshalb braucht es jetzt klare gesetzliche Regelungen, um diese Retraditionalisierung zu verhindern und diese Arbeitsform für alle Beteiligten klar und rechtssicher zu regeln.

 


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