Deutscher Gewerkschaftsbund

04.03.2021

Streitzeit: Frauen sind relevant!

Spätestens seit der Corona-Krise dürfte für alle klar sein: Es sind hauptsächlich die Frauen, die in den systemrelevanten Berufen arbeiten und so den Laden am Laufen halten. Leider heißt „systemrelevant“ viel zu oft auch „massiv unterbezahlt“. Das ist ein absolutes Unding. Mehr denn je muss es endlich gelingen, die Berufe in frauendominierten Branchen aufzuwerten und mit der notwendigen Wertschätzung zu versehen. Applaus allein ist nicht genug. Wie es nicht geht, hat jüngst die Caritas mit der Ablehnung des bundesweiten Tarifvertrags für die Altenpflege bewiesen. Für die Pflegekräfte ist das ein Schlag ins Gesicht.

Mit Gewerkschaft besser!
Wie es stattdessen richtig geht, zeigt sich in den Betrieben, die tarifgebunden sind und in denen  Betriebs- und Personalräte mitbestimmen. Dort gibt es eine bessere und vor allem gerechtere Bezahlung, planbare Arbeitszeiten und eine bessere soziale Absicherung! Kurz: Mit Gewerkschaft geht es besser, und zwar für Frauen und Männer gleichermaßen.

(Alters-)Armut gegensteuern!
Für viel zu viele Frauen sieht die Realität jedoch anders aus. Das zeigen nicht zuletzt unser Report „Tatort Niedriglohn in Bayern“ sowie der aktuelle Rentenreport 2021. Demnach arbeiten Frauen nicht nur häufig in Branchen mit hohem Niedriglohnanteil und geringer Tarifbindung. Oftmals handelt es sich dabei auch um eine prekäre Beschäftigungsform, also um einen Minijob oder eine – nicht selten unfreiwillige – Teilzeitstelle. Niedrige Renten und folglich Altersarmut sind so vorprogrammiert. Hier gilt es, gegenzusteuern! Die Tarifbindung muss wieder deutlich erhöht werden und Minijobs müssen ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden. Darüber hinaus braucht es die zügige Erhöhung des Mindestlohns auf mindestens 12 Euro.

Stillstand bei der Lohnlücke
Dass es um die Gleichstellung von Männern und Frauen im Freistaat schlecht bestellt ist, zeigt auch die nach wie vor bestehende Lohnlücke: 2019 haben Männer in Bayern durchschnittlich 23 % mehr verdient als Frauen (Bund: 19 %). Bereits in 2006 lag die Lohnlücke auf dem gleichen Stand. Auch wenn sie nun im Vergleich zum Vorjahr etwas geringer ausfällt zeigt dies: Beim sogenannten „Gender Pay Gap“ passiert viel zu wenig.

Alleinerziehend, weiblich, Niedriglohn
Alleinerziehende – und auch hier sind es vor allem Frauen –  trifft es besonders hart. Sie arbeiten überwiegend in atypischen Beschäftigungsverhältnissen und in oftmals schlecht bezahlter Arbeit. Und meistens sind es die Frauen, die bei Geburt eines Kindes oder bei der notwendigen Pflege von Angehörigen im Beruf kürzertreten. Diese unbezahlten Care-Tätigkeiten müssen endlich besser mit dem Beruf zu vereinbaren sein. Dazu gehören verlässliche Sorgestrukturen ebenso wie Arbeitszeiten, die Frauen und Männern die gleichen Chancen eröffnen, erwerbstätig zu sein und Verantwortung für Familienarbeit zu übernehmen. 

DGB-Motto zum Weltfrauentags 2021: Mehr Gewerkschaft. Mehr Gleichstellung. Mehr denn je!

DGB

Grobes Foulspiel

Rote Karte für H&M! Das Unternehmen will (u.a. auch in Bayern) insgesamt 800 Stellen streichen – und zielt dabei vor allem auf die Beschäftigten ab, die aufgrund ihrer Sorgeverpflichtungen nicht zu den umsatzstärksten Zeiten arbeiten können. Das trifft hauptsächlich junge Eltern und allen voran Mütter. Für dieses rücksichtslose und diskriminierende Verhalten haben die bayerischen DGB-Frauen dem Modekonzern nun ihren insgesamt 7. Un-Gleichstellungspreis für grobes und absichtliches Foulspiel verliehen, wenig verwunderlich in einem einstimmigen Votum.

Das Vorgehen von H&M zeigt schonungslos auf, wie skrupellos  manche Unternehmen verfahren, wenn es darum geht, die Kosten der Krise auf ihre Beschäftigten abzuwälzen. Wir zeigen uns solidarisch mit den Beschäftigten von H&M und stehen weiter Seite an Seite im Interesse derjenigen, die besonderen Schutz benötigen.

Deswegen: Mehr Gewerkschaft, mehr Gleichstellung – mehr denn je!

Die Streitzeit im PDF-Format zum Download:


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