Deutscher Gewerkschaftsbund

03.03.2016

DGB-Report zeigt: „Arbeiten ohne Ende“ ist in Bayern an der Tagesordnung

Matthias Jena: „Wir brauchen eine neue Ordnung der Arbeit.“

Der heute veröffentlichte Report des DGB Bayern zeigt: „Arbeiten ohne Ende“ ist in Bayern an der Tagesordnung. Ausdehnung, Flexibilisierung und Verdichtung der Arbeitszeit betreffen branchenübergreifend viele Beschäftigte in Bayern. Das sind die zentralen Ergebnisse des Reports „Arbeiten ohne Ende in Bayern“ des DGB Bayern. Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, fordert daher: „Wir brauchen eine neue Ordnung der Arbeit.“

Titel DGB-Report "Arbeiten ohne Ende in Bayern"

DGB Bayern

Matthias Jena präzisiert seine Forderung: „Ein erheblicher Teil der bayerischen Beschäftigten muss unbezahlt und ohne Ausgleich länger als vertraglich vereinbart arbeiten. In Bayern werden Jahr für Jahr hunderttausende von Überstunden weder bezahlt noch durch Freizeit  ausgeglichen. Es müssen gesetzliche und insolvenzsichere Regelungen für Arbeitszeitkonten geschaffen werden.“ Jena nimmt auch den digitalen Wandel in den Blick: „Durch die modernen Kommunikationsmittel verschwimmt die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit immer mehr. Einige Arbeitgeber erwarten von den Beschäftigten ständige Erreichbarkeit und Arbeitseinsatz rund um die Uhr. Wir fordern deshalb ein Recht auf „Log-off“.“

Dr. Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, bestätigt die Problematik des permanenten Leistungsdrucks: „Aktuell scheidet bereits jeder fünfte Erwerbstätige in Bayern aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben.“ Di Pasquale betont: „Der DGB Bayern und seine Mitgliedsgewerkschaften setzen sich für eine humane Arbeitswelt ein. Die Gesundheit der Beschäftigten steht dabei im Fokus.“ Di Pasquale fordert daher: „Die Bayerische Staatsregierung muss eine umfassende politische Initiative für eine bessere Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in bayerischen Betrieben anstoßen und umsetzen.“

Im Report "Arbeiten ohne Ende" des DGB Bayern schildern Betriebsrätinnen und Betriebsräte die Arbeitssituation in unterschiedlichen bayerischen Betrieben. Vor dem Hintergrund sozialwissenschaftlicher Untersuchungen wird deutlich, dass Ausdehnung, Flexibilisierung und Verdichtung der Arbeitszeit branchenübergreifend an der Tagesordnung sind.

Der Report „Arbeiten ohne Ende in Bayern“ des DGB Bayern verdeutlicht die Missstände der Arbeitssituation bayerischer Beschäftigter. Bayerische Betriebsrätinnen und Betriebsräte schildern, dass überlange Arbeitszeiten sowie ein überforderndes Arbeitstempo zunehmen. „Die bayerischen Beschäftigten spüren die Ausdehnung und Flexibilisierung der Arbeitszeit unter anderem in Form einer radikalisierten Gleitzeit, kurzfristig wechselnder Einsatzpläne in der Schichtarbeit und durch zunehmende Arbeit am Abend und am Wochenende“, so der Autor des Reports, Prof. Dr. Dieter Sauer vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München. Er ist sich sicher: „Die dahinter stehende Maxime ist, dass die betriebliche Organisation jedes Jahr besser, schneller und billiger werden muss.“

Prof. Dr. Dieter Sauer und seine Kollegin Anna Monz vom ISF München haben vor dem Hintergrund sozialwissenschaftlicher Untersuchungen Interviews mit sieben bayerischen Betriebsrätinnen und Betriebsräten aus unterschiedlichen Branchen, vom Automobilbau bis hin zur Pflegebranche geführt. „Ein überraschendes Ergebnis der Interviews war für uns, dass sich das „Arbeiten ohne Ende“ nicht auf bestimmte Branchen wie die der Informationstechnologie konzentriert“, so Sauer. „Vielmehr ist das Phänomen in unterschiedlichen Branchen mit ebenso unterschiedlichen Organisations- und Qualifikationsstrukturen zu finden. So schilderte uns ein Betriebsrat, dass in seinem Betrieb nicht nur der Vorgesetzte, sondern auch die Sachbearbeiterin und die Assistentin den stärkeren Zeitdruck spüren.“

Anna Monz schildert unter anderem die negativen Auswirkungen des „Arbeitens ohne Ende“ auf das Familienleben der Beschäftigten: „Laut DGB-Index Bayern reicht für fast 40 Prozent der bayerischen Beschäftigten das Einkommen nicht oder kaum zur eigenen Existenzsicherung aus. Diese Beschäftigten arbeiten oft neben ihrer Vollzeitstelle noch in einem oder mehreren Minijobs. Die von uns geführten Interviews zeigen, dass vor allem Beschäftigte mit Kindern von diesem Problem betroffen sind.“

Der Report „Arbeiten ohne Ende in Bayern“ ist der Vierte aus der Arbeitswelt des DGB Bayern. Bisher erschienen sind die Reports „Werkverträge in Bayern“, „Prekäre Beschäftigung in Bayern“ und „Leiharbeit in Bayern“.


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