Deutscher Gewerkschaftsbund

03.03.2016

Report des DGB Bayern: „Arbeiten ohne Ende in Bayern“

Mehrarbeit-Flexibilisierung-Verdichtung

„Arbeiten ohne Ende“ ist kein neues Phänomen. Spätestens seit den 1990er-Jahren haben wir es mit einer zunehmenden zeitlichen und räumlichen Entgrenzung von Arbeit und mit steigendem Zeit- und Leistungsdruck zu tun. Heute wird deutlich, welche Folgen dies für immer mehr Beschäftigte hat: Gesundheitliche – vor allem psychische – Belastungen und Erkrankungen haben stark zugenommen, Arbeit und privates und soziales Leben lassen sich immer schwerer vereinbaren. Die Zahlen der Krankenkassen und andere wissenschaftliche Untersuchungen belegen diese Entwicklung in großer Einhelligkeit.

Titel DGB-Report "Arbeiten ohne Ende in Bayern"

DGB Bayern

Der Report nimmt das Phänomen „Arbeiten ohne Ende“ in sehr unterschiedlichen Betrieben und Branchen in den Blick. Dabei werden sowohl die betriebs- und branchenspezifischen Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten in den Ursachen und Folgen deutlich. „Arbeiten ohne Ende“ hat verschiedene Ausprägungen: Überlange Arbeitszeiten, hohe Flexibilitäts- und Mobiltätsanforderungen, ständige Erreichbarkeit, stark verdichtete Arbeit, Zweitjobs bei Niedriglöhnen und anderes mehr.

Zentrale Ergebnisse des Reports

Ein erstes und vielleicht überraschendes Ergebnis: „Arbeiten ohne Ende“ beschränkt sich nicht auf bestimmte Branchen oder Beschäftigtengruppen (zum Beispiel auf Höherqualifizierte in der IT-Branche), sondern findet sich in allen ausgewählten Betrieben aus unterschiedlichen Branchen und mit unterschiedlichen Organisations- und Qualifikationsstrukturen. „Arbeiten ohne Ende“ in seinen verschiedenen Facetten ist offensichtlich zu einem generellen gesellschaftlichen Phänomen geworden, das die Arbeits- und Lebenssituation von immer mehr ArbeitnehmerInnen prägt. Es ist gegenwärtig noch nicht absehbar, ob der breit diskutierte digitale Wandel der Arbeitswelt daran etwas ändern wird.

Im Report "Arbeiten ohne Ende" des DGB Bayern schildern Betriebsrätinnen und Betriebsräte die Arbeitssituation in unterschiedlichen bayerischen Betrieben. Vor dem Hintergrund sozialwissenschaftlicher Untersuchungen wird deutlich, dass Ausdehnung, Flexibilisierung und Verdichtung der Arbeitszeit branchenübergreifend an der Tagesordnung sind.

Ein zweites vielleicht weniger überraschendes Ergebnis bezieht sich auf die Ursachen: Genereller Hintergrund ist ein steigender Markt- und Kostendruck, der in allen Unternehmen und Branchen zu Personalabbau oder zumindest zu einer knappen Personaldecke führt. Bei einer knappen Personaldecke, das heißt ohne verfügbares Zusatzpersonal, sind Störungen und Ausfälle nur mit einer hohen flexiblen Einsatzbereitschaft der Belegschaften zu bewältigen (die sogenannte „Nullfahrweise“). Flexible Organisationsstrukturen und neue Formen der Leistungsteuerung lassen Marktschwankungen und Kundenorientierung bis auf den einzelnen Arbeitsplatz durchschlagen.

In dieser marktorientierten Unternehmens- und Leistungssteuerung, die von einer systematischen Überlastung der Organisation und ihrer Beschäftigten ausgeht (unerreichbare Ziele) liegt der Kern des „Arbeitens ohne Ende“. Die Organisation muss jedes Jahr besser, schneller, billiger werden. Vor dem Hintergrund verschärfter Konkurrenz auf globalen Märkten und dem Druck der Finanzmärkte kommt es zu einer permanenten Reorganisation der Unternehmen: Der Umbau ist nicht mehr ein einmaliges Ereignis, nach dem wieder eine Zeit lang Ruhe herrscht, sondern wird zum Normalzustand.


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