DGB gedenkt am Antikriegstag der Opfer des Todesmarsches in Neunburg v.W.
Friedensfähig statt kriegstüchtig
Am 1. September 2026 fand auf dem KZ-Gedenkfriedhof am Plattenberg in Neunburg vorm Wald die traditionelle Antikriegstag-Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. Seit 1957 erinnert der DGB an diesem Tag an den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 und mahnt zum Frieden.
Ein Ort des Erinnerns
Der Gedenkfriedhof am Plattenberg ist die letzte Ruhestätte von 615 Opfern des Todesmarsches, der im April 1945 von Häftlingen des KZ Flossenbürg in Richtung Dachau getrieben wurde. Als der Marsch am 21. April 1945 Neunburg vorm Wald erreichte, brachten Menschen aus der Bevölkerung den entkräfteten Häftlingen Kartoffeln und Wasser – und wurden dafür von SS-Wachmannschaften mit dem Erschießen und Erschlagen von 160 Menschen "beantwortet". Zwei Tage später befreiten amerikanische Truppen das KZ Flossenbürg. 1946/47 entstand am Plattenberg einer der größten Gräberfelder für KZ-Opfer außerhalb eines Lagergeländes in ganz Bayern – bis heute ohne Namen für die meisten der 615 Toten.
Die Ansprache
Die diesjährige Ansprache hielt die DGB-Regionssekretärin Katja Ertl aus Regensburg. Sie erinnerte daran, dass die deutsche Gewerkschaftsbewegung den Antikriegstag nicht aus abstrakter Friedensliebe, sondern aus eigener bitterer Erfahrung begeht: Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gehörten 1933 zu den ersten Verfolgten des NS-Regimes.
Ertl machte auch auf die anhaltende Bedrohung durch Antisemitismus aufmerksam: Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus registrierte für 2025 bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle – im Schnitt 24 pro Tag und damit weiterhin auf dem höchsten Stand seit Beginn der Erhebung. Besonders im rechtsextremen Spektrum seien so viele Vorfälle gezählt worden wie nie zuvor. „Wachsamkeit gegen Antisemitismus ist keine Nebensache, sie ist Teil unseres gewerkschaftlichen Auftrags", so Ertl.
Mit Blick auf das Weltgeschehen – Krieg in der Ukraine, im Nahen Osten und im Sudan – bekräftigte sie die diesjährige DGB-Erklärung zum Antikriegstag unter dem Motto „Friedensfähig statt kriegstüchtig! Gemeinsam für Völkerverständigung, soziale Gerechtigkeit und eine Welt ohne Krieg". Der DGB fordert von der Bundesregierung:
- Einen Verteidigungshaushalt, der sich nicht an einer starren Fünf-Prozent-Zielvorgabe der NATO orientiert und nicht zu Kürzungen bei sozialer Sicherung, Bildung und klimaneutraler Modernisierung führt
- Eine strikt kontrollierte, transparente Rüstungsexportpolitik
- Den Verzicht auf die Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland
- Die Ablehnung eines verpflichtenden Wehrdienstes oder anderer Pflichtdienste
„Wir wollen nicht kriegstüchtig sein. Wir wollen friedensfähig sein", brachte Ertl die Position der Gewerkschaften auf den Punkt – verbunden mit dem Hinweis, dass Sicherheit vor allem durch soziale Gerechtigkeit, zivile Konfliktbearbeitung und Diplomatie entsteht, nicht allein militärisch.
Bezug zur Oberpfalz
Ertl stellte auch den Bezug zur Region her: Wenn Rüstungshaushalte wachsen, während bei Rente, Pflege, Krankenhäusern und beruflicher Bildung gespart wird, bekämen das die Beschäftigten in den Betrieben vor Ort – in Regensburg, Schwandorf, Amberg, Cham und Neumarkt – unmittelbar zu spüren. Gewerkschaftliches Engagement für den Frieden sei deshalb kein Nebenschauplatz zum Einsatz für gute Arbeit und einen starken Sozialstaat, sondern „derselbe Kampf".
Grußworte sprachen neben Organisator Franz Schindler auch der Bürgermeister Herr Birner, Uschi Maxim vom Bündnis gegen Rechtsextremismus und Willi Rester von der Deutschen Friedensgesellschaft. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Hans und Nicole Deml aus Burglengenfeld.
Fotonachweis: DGB