Gedenken zum 46. Jahrestag des Oktoberfestattentats
Auch in diesem Jahr gedachte die DGB-Jugend München erneut den Ermordeten, Betroffenen und Hinterbliebenen des Attentates auf das Oktoberfest vom 26.09.1980, dem größten rechtsterroristischen Anschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dieses Jahr beschäftigte sich die DGB-Jugend mit der Courage und Unterstützung der Ersthelferinnen und Ersthelfer nach dem Anschlag und deren psychische Belastung, die sie durch ihre Hilfe erlitten haben.
Magdalena Wesselly von der DGB-Jugend eröffnete das Gedenken und wies in ihrer Begrüßung auf die Bedeutung und den Mut von Ersthelferinnen und Ersthelfer hin, aber auch, dass „dieser Mut Wunden bei den Personen hinterlässt, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch“. Es sei deswegen besonders wichtig „diejenigen nicht aus dem Blick zu verlieren, die inmitten des Schreckens für andere da waren“. Wesselly betonte noch einmal die Bedeutung des Gedenkens und der Verantwortung einer demokratischen Zivilgesellschaft sich gegen rechtsextremes Gedankengut entgegenzustellen.
Dieses Jahr hielt die 2. Bürgermeisterin Mona Fuchs, das Grußwort der Landeshauptstadt München. Sie hob die Bedeutung des Gedenkens hervor: „Am 26. September 1980 wurden am Eingang der Theresienwiese zwölf Menschen ermordet und 221 Menschen teils schwer verletzt. Das Oktoberfestattentat war Rechtsterrorismus. Über Jahrzehnte mussten Überlebende nicht nur mit den Folgen dieses Anschlags leben, sondern auch um Anerkennung, Aufklärung und angemessene Unterstützung kämpfen. Dieser Tag verpflichtet uns, den Betroffenen verlässlich zur Seite zu stehen und unsere offene und freie Gesellschaft gegen Terror und Menschenfeindlichkeit zu schützen und zu verteidigen.“
Benedikt Knoche vom Kriseninterventionsteam (KIT) München teilte seine Erfahrung in der professionellen Betreuung von Ersthelferinnen, Ersthelfern und Einsatzkräften. Er blickt auf den steinigen Weg zurück, den die psychosoziale Unterstützung genommen hat. „Die seelischen Folgen eines solchen Ereignisses standen damals weit weniger im Fokus als heute. Strukturen der Krisenintervention und der Psychosozialen Notfallversorgung, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht. […] Heute wissen wir: Entscheidend ist nicht allein, welche Rolle ein Mensch in einem solchen Ereignis hatte, sondern, was er erlebt hat und welche Möglichkeiten er aktuell hat, damit umzugehen.“
Aus dem Kreis der Betroffenen und Ersthelfer sprach Ramin Assisi. Er war einer der Menschen, die sofort nach dem Anschlag 1980 Hilfe leisteten. Er schilderte eindrücklich seine Erfahrungen, die er damals gemacht hatte und die Folgen, die diese mit sich brachten. Es „geschah etwas, das ich lange für eine Gnade hielt und das sich in Wahrheit rächen sollte: Ich verdrängte das Ganze. Über dreißig Jahre lang. Ich funktionierte. Ich arbeitete. Ich glaubte, davongekommen zu sein“. Erst nach dem Wiederaufnahmeverfahren 2014 kamen die Bilder und Eindrücke zurück. „Von da an war an Schlaf nicht mehr zu denken. […] Dann kam der Zusammenbruch. […] Tagesklinik […] dann, arbeitsunfähig, […] Psychotherapie […] Traumaklinik. […] Bis heute Schmerzen. Schlaf nur mit Medikamenten.“ Der Beitrag von Herrn Assisi zeigte eindrücklich, welche Belastungen auch Ersthelferinnen und Ersthelfer nach einem solchen Erlebnis mit sich tragen. „Wer hilft, ist nicht nur Helfer. Wer das gesehen hat, ist auch selbst betroffen“. Am Ende seiner Rede betonte er nochmals die Bedeutung sich gegen Menschenfeindlichkeit und Gewalt zu stellen und wünschte allen eine friedliche Wiesn.
Alle Redner*innen betonten daher, dass das Gedenken weitergehen müsse, um auch mediale Aufmerksamkeit für die Belange der Betroffenen zu schaffen.
Abschließend legten Überlebende und Hinterbliebene sowie die anwesenden Gäste Nelken am Denkmal nieder.