Kundgebung in Schwandorf setzt starkes Zeichen für den Sozialstaat

Kämpferische Stimmung, breite Solidarität

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Dachzeile DGB Kreisverband Schwandorf

Unter dem Motto „Zeit, dass sich was dreht" machten die Teilnehmenden deutlich: Gesundheit, Pflege, Rente und der Acht-Stunden-Tag stehen gleichzeitig unter Druck – und das lassen sich Beschäftigte in der Oberpfalz nicht widerstandslos gefallen. Ca. 400 Menschen kamen trotz der Hitze zusammen – ein deutliches Signal, dass die Sorgen um die eigene Zukunft viele Menschen in der Region umtreiben. Durch die Veranstaltung führte Matthias Winter (IG Metall Regensburg) als Moderator.

Breites Bündnis, viele Stimmen

Besonders bemerkenswert war die Bandbreite der Redebeiträge: Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerkschaft, Betrieb und Sozialverband sprachen gemeinsam zu den zentralen Themen, die Beschäftigte in der Region derzeit umtreiben.

Im Mittelpunkt: der Acht-Stunden-Tag

Katja Ertl (DGB) eröffnete mit einem Überblick über die aktuellen Angriffe auf den Sozialstaat und ordnete ein, warum Gesundheit, Pflege, Rente und Arbeitszeit gerade jetzt gleichzeitig auf dem Prüfstand stehen. Ein Schwerpunkt lag auf der geplanten Reform des Arbeitszeitgesetzes. Die Bundesregierung plant, die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden durch eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden zu ersetzen – womit einzelne Schichten von bis zu 13 Stunden möglich würden. Was als „Flexibilisierung" verkauft wird, bedeutet für viele Beschäftigte in der Praxis: längere Arbeitstage, weniger Zeit für Familie und Erholung, mehr gesundheitliche Belastung.

Katja Ertl machte deutlich: „Der Acht-Stunden-Tag ist kein Relikt, sondern eine hart erkämpfte Errungenschaft, die es zu verteidigen gilt.“

Rente und Altersteilzeit: Sorge um die Zukunft im Alter

Neben der Arbeitszeit stand auch die Zukunft der Rente im Fokus. Wolfgang Kurzendorfer (Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Schwandorf) richtete den Blick auf die Sorge vor sinkendem Rentenniveau, steigendem Renteneintrittsalter und dem Abbau von Altersteilzeit-Regelungen. Gerade die Altersteilzeit gilt für viele Beschäftigte in körperlich fordernden Berufen als wichtiges Instrument, um einen geordneten und gesundheitsverträglichen Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen – ein Instrument, das aus gewerkschaftlicher Sicht nicht zur Disposition stehen darf.

Befristungen: Unsicherheit als Dauerzustand

Als drittes zentrales Thema wurde die Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse angesprochen. Daniel Schicker (IG Metall Regensburg) sprach zu den Plänen der Bundesregierung bei Befristungen und machte deutlich, dass diese Reformen keine Randthemen sind, sondern die Lebensrealität von Millionen Beschäftigten unmittelbar betreffen. Befristungen ohne Sachgrund erschweren nicht nur die persönliche Lebensplanung – von der Wohnungssuche bis zur Familiengründung –, sondern schwächen auch die Verhandlungsposition der Beschäftigten gegenüber ihrem Arbeitgeber. Daniel Schicker forderte, befristete Beschäftigung wieder stärker auf begründete Ausnahmefälle zu beschränken.

Kämpferische Stimmung, breite Solidarität

Andreas Sander (Nabaltec) brachte die betriebliche Perspektive ein und schilderte, wie sich die aktuellen Reformpläne konkret auf den Arbeitsalltag auswirken würden. Die Stimmung auf dem Marktplatz war von Beginn an kämpferisch. Beschäftigte aus verschiedenen Branchen und Betrieben der Region – mit und ohne Tarifvertrag, mit und ohne Betriebsrat – standen gemeinsam für ein klares Ziel: Wir sind nicht bereit, für die Versäumnisse anderer die Zeche zu zahlen. Auch der Sozialverband VdK war mit vor Ort und unterstrich damit, dass der Protest gegen den Sozialabbau weit über die klassische Gewerkschaftsbasis hinausreicht – von Erwerbstätigen bis zu Rentnerinnen und Rentnern sowie Menschen mit Behinderung sind alle Generationen und Lebenslagen von den geplanten Einschnitten betroffen.

Der DGB bleibt dran

Die Kundgebung in Schwandorf war ein weiterer Baustein in der Mobilisierung gegen den Sozialabbau – am 26. September 2026 mobilisiert der DGB Bayern zur Großkundgebung nach Nürnberg. Aus der Oberpfalz wird es kostenlose Busse geben. Die Anmeldung erfolgt über die Gewerkschaften.

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