Schlusspunkt. Hände weg vom 1. Mai

Datum

Ordnungsnummer 01/26

Dachzeile von Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern

Es gibt Vorschläge, die muss man zwei- oder dreimal lesen, um sie zu glauben. Die Abschaffung des gesetzlichen Feiertags am 1. Mai, wie gerade erst von der CDU ins Spiel gebracht, gehört definitiv dazu.

Und sie passt leider ins Bild. Die Preise steigen, der Alltag wird für die Menschen spürbar teurer. Der Weg zur Arbeit kostet mehr, das Leben insgesamt. Viele merken das jeden Monat ganz konkret im Geldbeutel.

Eigentlich müsste die politische Antwort darauf klar sein: entlasten und Sicherheit geben.

Doch genau das passiert nicht in ausreichendem Maß. Stattdessen kommen aus der Union immer wieder Vorschläge, die in die entgegengesetzte Richtung gehen: Karenztage, Kürzungen bei der Lohnfortzahlung, Einschnitte beim Krankengeld.

Während also die Belastungen immer weiter steigen, sollen ausgerechnet die Beschäftigten noch mehr schultern.

Jetzt also auch noch die Forderung (mal wieder), einen Feiertag abzuschaffen, noch dazu unseren 1. Mai – begründet mit der Hoffnung, so die Wirtschaftsleistung zu steigern.

Die Logik dahinter ist klar: Mehr Arbeit, weniger Schutz.

Und genau darin liegt das Problem.

Denn es geht eben nicht um gezielte Entlastung, sondern darum, die Lasten der Krise weiterzugeben – nach unten.

Hinzu kommt. Der 1. Mai ist kein beliebiger Feiertag. Er ist der Tag der Beschäftigten. Er steht für das, was über Jahrzehnte erkämpft wurde: Rechte, Schutz, Mitbestimmung.

Wer diesen Tag infrage stellt, stellt mehr infrage als einen freien Tag.

Er stellt infrage, welchen Stellenwert Arbeit und die Menschen dahinter haben.

Vom Karenztag bis zur Streichung eines Feiertags zieht sich eine klare Linie: mehr Druck, weniger Sicherheit für die Beschäftigten.

Und dahinter steckt immer auch ein bestimmtes Bild von Arbeit: dass Beschäftigte angeblich zu wenig leisten, zu oft fehlen, zu wenig beitragen.

Die Realität ist eine andere. Die allermeisten Beschäftigten gehen verantwortungsvoll mit ihrer Arbeit um. Sie halten den Laden am Laufen – jeden Tag.

Was sie brauchen, sind keine neuen Druckmittel, sondern Verlässlichkeit und Respekt.

Gerade in einer Krise zeigt sich, worauf es ankommt:
auf Sicherheit.
auf Solidarität.
und auf eine Politik, die schützt statt kürzt.

Wir sagen deshalb klar:
Hände weg vom 1. Mai!

Und mehr noch: Hände weg von allem, was soziale Sicherheit Stück für Stück aushöhlt.

Der 1. Mai ist mehr als ein Datum.
Er ist unser Tag.

Und er ist der Moment, an dem wir gemeinsam zeigen, dass wir uns solche Angriffe nicht gefallen lassen.

Deshalb: Geht am 1. Mai auf die Straße.
Für Respekt. Für Sicherheit. Und gegen eine Politik, die auf Kosten der Beschäftigten geht.

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