Sozialstaat retten heißt Zukunft sichern.

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Es gibt Debatten, die mehr über das Menschenbild ihrer Urheber verraten als über die Realität.

Seit Monaten wird über unseren Sozialstaat gesprochen, als sei er vor allem ein Kostenfaktor. Mal ist von angeblich zu hohen Sozialausgaben die Rede, mal von zu großzügigen Leistungen. Mal sollen Beschäftigte länger arbeiten, mal weniger abgesichert sein. Immer wieder wird der Eindruck erweckt, soziale Sicherheit sei ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten könnten.

Aber der Sozialstaat ist kein Luxus. Er sorgt dafür, dass Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Pflegebedürftigkeit nicht zum sozialen Absturz führen. Er gibt Sicherheit, wenn das Leben aus der Spur gerät. Und er schafft Vertrauen: in unsere Demokratie, in unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und in die Zukunft.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauchen die Menschen nicht weniger, sondern mehr Sicherheit. Wer Angst um seinen Arbeitsplatz hat, wer steigende Mieten und Preise stemmen muss oder sich um seine Rente sorgt, braucht einen Staat, der schützt. Einen Staat, der nicht nur äußere, sondern auch soziale Sicherheit garantiert. Und keinen Staat, der sich aus der Verantwortung stiehlt.

Doch genau das erleben wir aktuell. Denn vieles von dem, was derzeit als „Reform“ oder "Modernisierung" verkauft wird, bedeutet in Wahrheit oft weniger soziale Sicherheit. Wenn die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren infrage gestellt, das Zugangsalter zur Altersteilzeit steigen oder die telefonische Krankschreibung wieder abgeschafft werden sollen, trifft das keine abstrakten Systeme. Es trifft die Menschen, die jeden Tag den Laden am Laufen halten. Solche Vorschläge lehnt der DGB entschieden ab.

Das ist seit Langem die klare Haltung der Gewerkschaften in Bayern: Reformen ja – aber nicht gegen die Beschäftigten. Kein Kahlschlag beim Sozialstaat.

Denn diese Vorschläge lösen kein einziges strukturelles Problem. Sie sorgen weder für mehr Fachkräfte noch steigern sie die Produktivität. Sie führen lediglich dazu, dass Beschäftigte und ihre Familien die Zeche zahlen.

In einer Zeit, in der wenige über geradezu obszönen Reichtum verfügen und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, muss die Finanzierung unseres Sozialstaats gerechter werden. Statt notwendige Leistungen zu kürzen und die Kosten auf die Versicherten abzuwälzen, müssen Superreiche endlich stärker in die Pflicht genommen werden. Geld ist genug da. Es ist nur ungerecht verteilt. Wer den Sozialstaat schwächt, weil angeblich das Geld fehlt, blendet diese Wahrheit aus.

Und wer Beschäftigten einredet, sie seien selbst schuld an den Problemen unseres Landes, lenkt von den eigentlichen Ursachen ab. Wer Schutzrechte abbaut und soziale Leistungen kürzt, stärkt weder den Wirtschaftsstandort noch die Wettbewerbsfähigkeit. Er schwächt den Zusammenhalt und untergräbt das Vertrauen in unsere Demokratie. Ein Sozialstaat, der nur noch auf dem Papier existiert, schützt niemanden mehr.

Der Sozialstaat ist eine der größten Errungenschaften unseres Landes. Er wurde von Generationen von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern erkämpft. Und er wird nur bestehen, wenn wir ihn heute gemeinsam verteidigen.

Dafür brauchen wir Sozialstaatsretterinnen und Sozialstaatsretter. Menschen, die deutlich machen: Der Sozialstaat ist keine Belastung. Menschen, die für Solidarität statt Spaltung stehen. Für Zusammenhalt statt Kürzungspolitik. Für eine Gesellschaft, in der nicht die Schwächeren den Preis für Krisen bezahlen, während die Stärksten immer stärker werden.

Sozialstaatsretter*innen wissen: Gute Arbeit braucht gute soziale Sicherung. Wer jahrzehntelang Beiträge zahlt, hat Anspruch auf eine würdige Rente. Wer krank ist, braucht Unterstützung statt Misstrauen. Wer gesund bis zur Rente arbeiten soll, braucht verlässliche Instrumente wie die Altersteilzeit – nicht deren Aushöhlung.

Unsere Botschaft lautet deshalb: Hände weg von unserem Sozialstaat. Wir rufen alle Beschäftigten, Betriebs- und Personalräte, Gewerkschaftsmitglieder, Familien, Rentnerinnen und Rentner, Auszubildende und alle, denen soziale Gerechtigkeit wichtig ist, auf: 

Kommt am 26. September 2026 nach Nürnberg zu unserem bayernweiten Aktionstag zur Rettung des Sozialstaats. Setzen wir gemeinsam ein unübersehbares Zeichen gegen Sozialabbau und für Solidarität. Zeigen wir: Der Sozialstaat ist keine Verhandlungsmasse. Er ist das Versprechen, dass in unserem Land niemand allein gelassen wird.

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