Schlusspunkt. "Wir werden nicht lockerlassen!"
von Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall
Es war ein wunderbares Bild, dass sich mir am 26.September von der Bühne in Nürnberg bot! So viele Menschen, dass sie gar nicht alle auf den Kornmarkt passten, Flaggen, Transparente, Schilder, mit unterschiedlichen Aufschriften, aber doch einer klaren Botschaft: Wir kämpfen für unseren Sozialstaat!
175.000 Menschen auf den Straßen Deutschlands haben eindrucksvoll gezeigt, wie Zusammenhalt aussieht. Dieser Tag bedeutete weit mehr als Kundgebungen im ganzen Land. Er war ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Menschen bereit sind, für ihre Rechte, ihre Zukunft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzustehen.
So viele Kolleginnen und Kollegen stehen gerade vor großen Herausforderungen. Die Gesellschaft ist polarisiert, Krisen, Konflikte und eine große Unsicherheit prägen momentan vielerorts den Alltag. Besonders erlebe ich das als Erste Vorsitzende der IG Metall bei meinen Kolleginnen und Kollegen in der Industrie. Sie stehen derzeit vor gewaltigen Herausforderungen. Ob in der Automobilindustrie, bei Zulieferern oder in anderen Branchen, sie erleben Drohkulissen von Verlagerung, Abbau und den ständigen Angriff auf Beschäftigtenrechte, Arbeitgeber, die jeden Anstand vermissen lassen.
Viele Beschäftigte fühlen sich mitten im Auge des Orkans eines tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandels. Umso wichtiger war die gemeinsame Botschaft des Aktionstags: Der Wandel kann nur gelingen, wenn er sozial gestaltet wird. In Zeiten der Umbrüche können wir auf einen starken Sozialstaat nicht verzichten. Punkt.
Und man kann es nicht klar genug oder oft genug sagen: 45 Jahre sind genug! Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren ist kein Luxus, sondern schafft Sicherheit für Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt haben.
Die Altersteilzeit im Blockmodell, also mit einer Aktiv- und einer Passivphase ist zentral, um für ältere Beschäftigte einen passenden, gerechten Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen. Das muss erhalten bleiben, wenn wir den Wandel in unserer Arbeitswelt, besonders in unseren Industrien anständig gestalten wollen. Wir werden diese Sicherheit weiter laut und deutlich einfordern, in Berlin, in München, im Betrieb und auf der Straße!
Wir werden nicht lockerlassen: Kürzungen bei Rente, Gesundheit, Pflege und Familienleistungen sind der falsche Weg! Denn soziale Sicherheit ist in jedem Alter wichtig, sie begleitet Menschen durch alle Lebensphasen – von Bildungs- und Aufstiegschancen über die Familiengründung bis hin zum Renteneintritt.
Aber eines dürfen wir in diesen Zeiten nicht vergessen. Unsere Zuversicht! Unsere tiefe gewerkschaftliche Überzeugung für eine bessere Lebens- und Arbeitswelt zu kämpfen, so wie wir es am 26. September gezeigt haben: Die Beschäftigten, die Menschen dieses Landes standen zusammen, für eine Zukunft, in der gute Arbeit, faire Chancen und Respekt für Lebensleistungen selbstverständlich sind. Und sie haben gezeigt: Ein starker Sozialstaat ist ein zentraler Pfeiler für Stabilität, Gerechtigkeit und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.