Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 15 - 11.03.2023

4. Frauengipfel des DGB Bayern: Gleichstellung gehört ganz oben auf die Agenda

Di Pasquale: „Es ist an der Zeit, die vielfältigen Potenziale von Frauen zu nutzen!“

Wie steht es um die Gleichstellung in Wirtschaft und Gesellschaft? Und wie weit ist sie in Bayern bereits vorangeschritten? Diese und weitere gleichstellungspolitische Fragen standen im Zentrum des 4. Frauengipfels, zu dem der DGB Bayern am Samstag rund 160 Teilnehmer*innen im Regensburger Marinaforum begrüßen konnte.

Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, kritisierte, dass die Gleichstellung in Bayern „immer wieder ausgebremst“ würde: „Dabei ist es gerade angesichts des großen Fachkräftebedarfs an der Zeit, die vielfältigen Potenziale von Frauen zu nutzen. Dafür braucht es in Bayern aber auch flächendeckende und bedarfsgerechte Betreuungsangebote. Wenn der Freistaat dann allerdings die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Fördermittel für den Ganztagsausbau weitestgehend ignoriert und von möglichen 117 Millionen Euro nicht einmal ein Fünftel abruft, ist das ein weiteres Zeichen für den niedrigen Stellenwert der Gleichstellung in Bayern. Mit dieser Abrufquote ist Bayern im Bundesländervergleich abgeschlagenes Schlusslicht.“

Wie wichtig es ist, sich gerade in Zeiten wie diesen weiter für die Interessen der Frauen einzusetzen, betonte Elke Hannack, stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende: „Denn Frauen- und Gleichstellungspolitik ist kein Schönwetter-Thema. Im Gegenteil: Die Herausforderungen unserer Zeit sind nur zu bewältigen, wenn wir uns von patriarchalen Strukturen lösen und mit allen Geschlechtern die Zukunft gemeinsam gestalten. Das gilt gerade in Bayern, denn der Freistaat hinkt in Sachen Gleichstellung in vielerlei Hinsicht hinterher. Ein Beispiel ist das Bayerische Gleichstellungsgesetz. Es ist mehr als 25 Jahre alt, verstaubt, und ein zahnloser Tiger. Es muss endlich novelliert werden, um wirksam zu sein.“

„Chancengleichheit von Frauen und Männern muss selbstverständlich sein!“, so Ulrike Scharf, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. „Alle müssen an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe arbeiten: Frauen, Männer Organisationen, Unternehmen und die Politik. Jede und jeder soll ein freies und selbstbestimmtes Leben führen. Individualität und persönliche Stärken müssen im Fokus stehen – keine Geschlechterklischees! Im öffentlichen Dienst haben wir mit einem Führungsanteil von Frauen von über 45 Prozent schon einen großen Schritt hin zu echter Gleichberechtigung getan“, sagte Scharf.

Johanna Wenckebach, Leiterin des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht, sieht in Sachen Gleichstellung ebenfalls Nachholbedarf: „Geschlechtergleichstellung kommt in Deutschland nur im Schneckentempo voran, zu viele Gaps bestehen fort. Die Pandemie hat Frauen zurückgeworfen und offengelegt, dass Sorgearbeit in Wirtschaft und Politik noch immer ausgeblendet und abgewertet wird. Spannend bleibt, ob die Bundesregierung nun tatsächlich ihr Vorhaben umsetzt, den rechtlichen Rahmen zu verbessern, um Frauen ökonomische Unabhängigkeit zu ermöglichen.“

Sandra Schäfer, Vizepräsidentin des Bayerischen Landesfrauenrates, stellte abschließend fest: „Als überkonfessionelles, überparteiliches und unabhängiges Gremium trägt der Bayerische Landesfrauenrat seit 1973 zur Verbesserung der Situation der Frauen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bei. Doch leider geht uns die Arbeit nicht aus! Lieber wäre es uns, wenn wir die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf allen Gebieten erreicht hätten. Haben wir aber nicht! Arbeiten und fordern wir also weiter! Simone de Beauvoir äußerte sich in diesem Kontext wie folgt: ‚Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.‘“


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