Am 7. März ist Equal Pay Day in Bayern. Er macht sichtbar, wie groß die Lohnlücke im Freistaat weiterhin ist: Der unbereinigte Gender Pay Gap ist in Bayern zuletzt um einen Prozentpunkt auf 19 Prozent gestiegen, bundesweit liegt er bei 16 Prozent. Das entspricht rund zehn Wochen, die Frauen im Vergleich zu Männern zusätzlich arbeiten müssten, um auf das gleiche durchschnittliche Jahreseinkommen zu kommen.
„Damit gehört Bayern bei der Lohnlücke bundesweit zu den Schlusslichtern – nur Baden-Württemberg steht noch schlechter da. Während andere Bundesländer vorankommen, macht Bayern wieder einen Schritt zurück. Das ist ein Alarmsignal für die Gleichstellung im Freistaat“, so Marietta Eder, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern.
Für den DGB Bayern steht fest: Wer die Lohnlücke schließen will, muss an die Strukturen ran. „Minijobs sind kein Sprungbrett, sie sind viel zu oft eine Sackgasse – mit weniger Absicherung, weniger Aufstieg, weniger Rente“, so Eder. „Deshalb brauchen wir Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro und eine klare Stärkung der Tarifbindung. Wo Tarifverträge gelten, sind Löhne fairer – und Diskriminierung lässt sich viel schwerer verstecken.“
Dass Bayern beim Thema Gleichstellung insgesamt hinterherhinkt, zeigt auch der Blick auf den 8. März, den Internationalen Frauentag – und zugleich Tag der Kommunalwahlen im Freistaat. In Gemeinden ab 10.000 Einwohnern kandidieren nur 178 Frauen für das Amt der (Ober-)Bürgermeisterin. Das sind 20,2 Prozent aller Bewerbenden; vor sechs Jahren waren es 22,4 Prozent. „Wenn nur etwa jede fünfte Kandidatur weiblich ist, dann haben wir ein echtes Repräsentationsproblem“, sagt Eder. „Gleichstellung scheitert nicht an fehlender Kompetenz, sondern an Hürden: mangelnde Vereinbarkeit, alte Rollenbilder und politische Strukturen, die Frauen ausbremsen.“
Kritisch bewertet der DGB Bayern zudem die geplante Abschaffung der regelmäßigen Gleichstellungsberichte. „Wer Berichtspflichten streicht, verzichtet auf Transparenz“, so Eder. „Nur durch kontinuierliche Berichte lassen sich Entwicklungen bei Beschäftigung, Führungspositionen, Entgeltgleichheit und Maßnahmen systematisch auswerten. Ohne eine verlässliche Datengrundlage fehlt die Möglichkeit, Trends zu erkennen, Defizite klar zu benennen und politisch gegenzusteuern. Eine anlassbezogene Berichterstattung ersetzt keine kontinuierliche Erfolgskontrolle – und wird dem Informationsanspruch von Parlament und Öffentlichkeit nicht gerecht.“
Ein zentraler Hebel für mehr Gleichstellung liegt aus Sicht des DGB Bayern in der betrieblichen Mitbestimmung – gerade mit Blick auf die Betriebsratswahlen von März bis Mai 2026. Betriebsräte können Entgeltstrukturen überprüfen, diskriminierungsfreie Eingruppierungen einfordern, Arbeitszeiten mitgestalten und Schutz vor Benachteiligung stärken.
„Gleichstellung ist kein Symbolthema für einen Tag – sie muss vielmehr tagtäglich erkämpft werden: im Betrieb, in der Kommune und in der Politik. Sie entscheidet darüber, wie gerecht unser Arbeitsmarkt ist, wie repräsentativ unsere Demokratie ist – und wie ernst wir es mit gleichen Chancen wirklich meinen“, so Eder abschließend.