DGB Bayern weist Söders Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und Karenztagen entschieden zurück

Stiedl: „Die Beschäftigten sind nicht das Problem, sie sind die Lösung: Sie arbeiten hart, sichern den Wohlstand und halten dieses Land am Laufen.“

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Ordnungsnummer 02

Die Forderungen von CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach längeren Arbeitszeiten, einem späteren Renteneintritt und Karenztagen bei Krankheit stoßen beim DGB Bayern auf scharfe Kritik. Der bayerische DGB-Vorsitzende Bernhard Stiedl warnt davor, die Verantwortung für strukturelle Probleme einseitig den Beschäftigten zuzuschieben.

„Die Beschäftigten sind nicht das Problem, sie sind die Lösung: Sie arbeiten hart, sichern den Wohlstand und halten dieses Land am Laufen“, erklärt Stiedl. „Wer angesichts dieser Leistung längere Arbeitszeiten, ein höheres Rentenalter und Einschnitte bei der Entgeltfortzahlung fordert, hat den Kontakt zur Realität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verloren.“

Nach Einschätzung des DGB Bayern wird in Deutschland bereits heute viel gearbeitet. Vollzeitbeschäftigte kommen im Schnitt auf 41,4 Wochenstunden. Die geringere durchschnittliche Arbeitszeit insgesamt sei vor allem auf die hohe Teilzeitquote zurückzuführen – und diese wiederum auf fehlende Rahmenbedingungen. Stiedl fordert daher einen konsequenten Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, insbesondere bei der Kinderbetreuung. „Viele Menschen würden gerne mehr arbeiten, können es aber nicht, weil Betreuungsangebote fehlen“, so der DGB-Vorsitzende. Allein in Bayern fehlten zehntausende Plätze für Kinder unter drei Jahren.

Deutliche Kritik äußert Stiedl auch an den Forderungen nach einem späteren Renteneintritt. „Schon heute erreichen viele Beschäftigte das gesetzliche Rentenalter nicht gesund. Eine weitere Anhebung trifft vor allem diejenigen, die früh ins Berufsleben eingestiegen sind und über Jahrzehnte körperlich oder psychisch stark belastet waren“, betont Stiedl. Der DGB Bayern setzt stattdessen auf eine solidarische Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen müssten – auch Selbständige und Politiker. „Die Rente wird nicht stabil, indem man sie immer weiter nach hinten verschiebt, sondern indem man das System endlich gerecht finanziert“, so Stiedl.

Darüber hinaus erteilt der DGB Bayern Söders Vorschlägen zu Karenztagen und einer früheren Krankschreibepflicht eine klare Absage. „Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ist ein zentrales soziales Schutzrecht“, betont Stiedl. Einschränkungen würden dazu führen, dass mehr Menschen krank zur Arbeit gehen – mit höheren Unfallrisiken, mehr Fehlern und langfristig steigenden Kosten für Betriebe und Sozialversicherungen. „Wer den Krankenstand senken will, muss über Arbeitsbedingungen, Personalnot und steigenden Leistungsdruck sprechen – nicht über Sanktionen bei Krankheit.“

Der DGB Bayern fordert eine Politik, die auf Gute Arbeit, gesunde Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit setzt. „Produktivität entsteht nicht durch immer längere Arbeitszeiten und sozialen Druck, sondern durch faire Bedingungen und verlässliche soziale Sicherungssysteme“, so Stiedl abschließend.

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