„Erinnern heißt kämpfen" – DGB Regensburg gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus.

Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung vor dem Gewerkschaftshaus

Datum

Dachzeile DGB KV Regensburg

Ein Datum mit bleibender Bedeutung

Vor 81 Jahren, am 8. Mai 1945, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Das Datum markiert das Ende einer beispiellosen Gewaltherrschaft: zwölf Jahre Diktatur, Verfolgung und Krieg, die mehr als 60 Millionen Menschen das Leben kosteten – darunter sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die im Holocaust systematisch ermordet wurden. Erst die Befreiung durch die Alliierten machte den Weg frei für demokratischen Neubeginn, Rechtsstaatlichkeit und freie Gewerkschaften. Heute, in einer Zeit, in der rechtsextreme Kräfte erneut erstarken und der gesellschaftliche Konsens über die Lehren aus der Geschichte brüchig wird, gewinnt dieses Datum neue Aktualität.

Gewerkschaften im Widerstand – früh verfolgt, nie vergessen

In seiner Rede machte der Vorsitzende des DGB Regensburg, Rico Irmischer, deutlich, dass der 8. Mai für die Gewerkschaften ein zentraler historischer Bezugspunkt ist. Der Nationalsozialismus habe unermessliches Leid verursacht, der Holocaust sei ein singuläres Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Widerstand habe es nur von wenigen gegeben – zugleich seien Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter unter ihnen überdurchschnittlich stark vertreten gewesen. Schon kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten zerschlugen die neuen Machthaber am 2. Mai 1933 die freien Gewerkschaften, besetzten ihre Häuser und verfolgten ihre Funktionärinnen und Funktionäre. Viele wurden verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt oder ermordet.

„Der 8. Mai ist für uns Gewerkschaften ein Tag der Befreiung. Er markiert das Ende einer zwölfjährigen Schreckensherrschaft, die Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Daraus erwächst für uns heute keine Schuld, sondern eine Verpflichtung: zur Erinnerung, zur Aufklärung und zum konsequenten Handeln gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Ideologien. Denn: Erinnern heißt kämpfen", sagte Rico Irmischer.

Antonie Pfülf und Alfons Bayerer – zwei Regensburger Geschichten des Widerstands

Im Anschluss erinnerte die stellvertretende Vorsitzende des DGB Regensburg, Katja Ertl, am historischen Ort des Gewerkschaftshauses an zwei besondere Figuren des Widerstands: Antonie Pfülf und Alfons Bayerer, denen eine Gedenktafel an der Fassade des Hauses gewidmet ist. Beide standen als Gewerkschafter:innen und Demokrat:innen für Haltung, Solidarität und politischen Mut – und bezahlten dafür mit ihrem Leben. „Zwei Menschen – eine Parlamentarierin und ein Parteisekretär, eine Lehrerin und ein Klempner – die beide für das Gleiche standen: für Demokratie, für Würde, für eine bessere Welt der Arbeitenden", so Ertl.

100 Jahre Gewerkschaftshaus – ein Ort der Erinnerung

Gemeinsam legten die Teilnehmenden Nelken an der Gedenktafel nieder. Das Gewerkschaftshaus, das in diesem Jahr sein 100‑jähriges Bestehen feiert, stehe sinnbildlich für die Geschichte der Arbeiterbewegung in Regensburg: für ihren Aufbau, ihre gewaltsame Zerschlagung durch die Nationalsozialisten und ihren demokratischen Neubeginn nach 1945, beschrieb Ertl.

Erinnerung als politischer Auftrag

Der DGB Regensburg betonte abschließend, dass Gedenkarbeit nicht rückwärtsgewandt sei. Sie richte sich an die Gegenwart und an kommende Generationen. Gerade angesichts wachsender Geschichtsvergessenheit und neuer Bedrohungen für Demokratie und Menschenwürde sei das Erinnern an den 8. Mai 1945 kein bloßes Ritual, sondern ein politischer Auftrag. Die Forderung nach einem gesetzlichen Feiertag am 8. Mai, wie sie der DGB-Bundesvorstand seit Jahren erhebt, gewinne in diesem Sinne an Dringlichkeit.

Bildnachweis: Ertl

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