Es fehlt nicht an Geld. Es fehlt an Gerechtigkeit.
DGB-Biergartentreff setzt Zeichen gegen den sozialen Kahlschlag
An die 100 Besucherinnen und Besuchern u.a. auch der SPD-Bundestagsabgeordneten Christoph Schmid, Bürgermeister Stefan Baisch, AOK-Direktor Bernd Mayer, Realschuldirektor Markus Lucas und die stellv. Landrätin Simone Riemenschneider-Blatter sowie zahlreiche Stadträt*innen konnte die Günzburger DGB-Vorsitzende Helga Springer-Gloning beim diesjährigen Günzburger DGB-Biergartentreff im Hof des Gasthauses „Rose“ begrüßen.
Neulich sei sie von einer Bekannten gefragt worden, so erzählte sie, ob sie wirklich so naiv sei zu glauben, dass man mit Veranstaltungen wie dem DGB-Biergartentreff die AfD aufhalten und den sozialen Kahlschlag stoppen könne. Ihre Antwort sei gewesen, dass sie das nicht garantieren könne. Dass sie aber garantieren kann, dass das mit Sicherheit nicht gelingt, wenn es solche Veranstaltung nicht mehr gibt und wenn sich nicht genügend Menschen aktiv für die Demokratie, für den Sozialstaat und gegen die blau getarnte braune Welle engagieren. Bürgermeister Stefan Baisch bedankte sich in seinem Grußwort bei den Anwesenden dafür, dass sie mit ihrem Besuch ein Zeichen für den Sozialstaat und für die Demokratie setzen. Viele der sozialen Errungenschaften, die heute selbstverständlich sind, gäbe es ohne Gewerkschaften gar nicht, so Baisch. Dank für den örtlichen DGB und seine Gewerkschaften für deren Mitarbeit gab es von Walter Lasar, der für die Landkreisbündnisse „für Demokratie und Toleranz“ ein Grußwort an die Anwesenden richtete.
Was dann folgte war eine fulminante Biergartenrede der stellv. Vorsitzenden des DGB Bayern, Marietta Eder, die die Zuhörer*innen rhetorisch gekonnt in ihren Bann zog. Lasst euch ja nicht einreden, so die Spitzengewerkschafterin, das Problem bei der Finanzierung des Sozialstaates sei das fehlende Geld. Das Problem sei die fehlende Gerechtigkeit. Für Eder hat das Modell, „auf Teufel komm raus“ Rekordexportüberschüsse einzufahren, ausgedient. Der Schlüssel für die Überwindung der derzeitigen Wirtschaftskrise liegt für sie in der Steigerung der Binnennachfrage. Nur wenn das gelinge, könne die Krise wirksam bekämpft werden. Deshalb seien gerade jetzt kräftige Lohnsteigerungen dringend notwendig. Lohndrückerei und Sozialstaatsabbau wie der, der von der Bundesregierung begonnene, seien nicht nur unsozial, sondern auch eine wirtschaftspolitische Giftmischung. Eder rief zum Schluss ihrer viel beklatschten Rede zur Teilnahme an der Großdemonstration des DGB Bayern am 26. September in Nürnberg auf, bei der der DGB und seine Gewerkschaften, wie gleichzeitig in 14 anderen deutschen Städten auch, nachdrücklich deutlich machen werde, dass sie nicht bereit sind, den geplanten „sozialen Kahlschlag“ hinzunehmen.
Der DGB-Kreisvorsitzende Werner Gloning forderte in seinem Beitrag alle Anwesenden auf, sich in ihrem Umfeld dafür zu engagieren, dass der „abgrundtief schäbige Versuch“ sachgrundlos befristete Arbeitsverhältnisse bis zu 4 Jahren zu ermöglichen im Bundestag abgeschmettert wird. Arbeitnehmer*innen sind die, die unser Land am Laufen halten und keine Figuren in einem Monopoly-Spiel, die man nach Bedarf hin oder herschieben oder auch wegwerfen kann. Das werden wir denen mit aller Deutlichkeit hinter die Ohren schreiben. Da hört der Spaß endgültig auf, so Gloning. Das ist ein Schritt zurück ins vor-vorherige Jahrhundert. Spaß verband dann aber gekonnt, wie in den letzten Jahren auch, das „Urgestein der bayerischen Kleinkunstszene, Sepp Raith, mit seinen Liedern und Texten. Humorvolle und gezielte Sticheleien gegen Spießbürgertum und treffsichere politische Botschaften zeigten, wie man Information und Unterhaltung durchaus miteinander verbinden kann.