Frauengipfel: DGB Bayern fordert bessere medizinische Versorgung für Frauen
Eder: „Wir brauchen belastbares Wissen über die Gesundheit von Frauen, damit Erkrankungen rechtzeitig erkannt und angemessen behandelt werden können.“
Anlässlich des 5. Frauengipfels fordert der DGB Bayern, Benachteiligungen von Frauen in der medizinischen Versorgung konsequent abzubauen. Dafür müssten Forschungslücken geschlossen sowie Diagnostik und Therapie geschlechtersensibler ausgerichtet werden.
„Wer Geld des Freistaats für medizinische Forschung erhält, muss Geschlechterunterschiede berücksichtigen. Wir brauchen belastbares Wissen über die Gesundheit von Frauen, damit Erkrankungen rechtzeitig erkannt und angemessen behandelt werden können“, erklärt Marietta Eder, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern.
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums werden Frauen in der Gesundheitsforschung nach wie vor seltener berücksichtigt als Männer. Das hat zur Folge, dass viele diagnostische und therapeutische Verfahren noch immer primär auf männlichen Referenzwerten und Krankheitsverläufen basieren. Dadurch können Symptome bei Frauen übersehen oder fehlinterpretiert werden.
Diese Defizite sind Teil des sogenannten Gender Health Gap, der geschlechterbedingte Ungleichheiten in Gesundheit und medizinischer Versorgung beschreibt. Im Versorgungsalltag zeigt sich das etwa beim sogenannten Medical Gaslighting – wenn körperliche Beschwerden von Frauen nicht angemessen ernst genommen werden.
Wie gravierend die Folgen sein können und wie weit das Problem reicht, erläutert Dr. Antje Enekwe, Fachärztin beim Medizinischen Dienst Bund: „Die Bagatellisierung oder Psychologisierung körperlicher Beschwerden von Frauen kann massive Auswirkungen auf ihre Gesundheit und sogar ihre Lebenserwartung haben. Dabei greift es zu kurz, die Ursachen allein bei der einzelnen Patientin oder der behandelnden Person zu suchen. Sie reichen von fehlenden Daten in klinischen Studien und fehlenden geschlechtsspezifischen Auswertungen bis hin zu gesellschaftlich verbreiteten Vorurteilen.“
Aus Sicht des DGB Bayern muss geschlechtersensible Medizin deshalb verbindlicher Bestandteil der Aus- und Fortbildung der Gesundheitsberufe sein. Ein Schwerpunkt müsse darauf liegen, stereotype Annahmen über Beschwerden von Frauen zu erkennen und zu hinterfragen.
Frauengesundheit ist für den DGB Bayern auch eine Frage der Arbeitsbedingungen. Am Arbeitsplatz sind Frauen spezifischen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die im Arbeits- und Gesundheitsschutz bislang zu wenig Beachtung finden.
„Hier sind die Arbeitgeber in der Pflicht: Gefährdungsbeurteilungen und betriebliche Gesundheitsförderung müssen so gestaltet sein, dass sie den spezifischen Belastungen von Frauen besser gerecht werden. Zugleich setzen wir uns als Gewerkschaften über unsere Vertreter*innen in der Selbstverwaltung der Krankenkassen für eine geschlechtergerechte Versorgung und Prävention ein“, so Eder abschließend.
Hintergrund:
Der 5. Frauengipfel des DGB Bayern findet am Samstag, 10. Oktober 2026, im Münchner Gewerkschaftshaus statt. Vertreterinnen aus Medizin, Politik und Gewerkschaften diskutieren über Frauengesundheit, notwendige Veränderungen in Bayern und gewerkschaftliche Handlungsmöglichkeiten. Ein weiterer Programmpunkt widmet sich dem Recht auf ein gewaltfreies Leben.