Gewerkschaften der Oberpfalz tagen

Sozialstaat, Tarifrunden und Stellenabbau im Fokus

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Dachzeile DGB Oberpfalz

Bei der Tagung der Gewerkschaften in der Oberpfalz berichteten Vertreterinnen und Vertreter von DGB Oberpfalz, IG Metall (Regensburg und Amberg), ver.di, IGBCE, NGG und IG BAU über die aktuellen Entwicklungen in ihren Organisationsbereichen. Deutlich wurde: Neben laufenden Tarifauseinandersetzungen beschäftigen die Gewerkschaften vor allem der drohende Stellenabbau in mehreren Branchen sowie die geplanten Kürzungen im Sozialstaat.

IG Metall Regensburg: Widerstand gegen Arbeitsplatzabbau und Sozialkürzungen

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, Rico Irmischer, schilderte die zunehmenden Angriffe auf die Automobilkonzerne und ihre Zulieferer. So wird bei Mercedes derzeit über eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche diskutiert, während bei VW und BMW ein Abbau von Arbeitsplätzen droht. Protestaktionen sind geplant. Angesichts des drohenden Kahlschlags im Sozialstaat kündigte Irmischer an, diesen verstärkt durch begleitende Aktionen in den Betrieben sichtbar zu machen. Als ersten Schritt findet momentan eine Fotoaktion statt, unter dem Motto „Kürzungen abwenden & Rente retten". 

IG Metall Amberg: Tarifrunde, Mitbestimmung und Zukunftsdialog

Die IG Metall Amberg bereitet laut der 2. Bevollmächtigten Sabrina Feige mit einer aktivierenden Befragung der Beschäftigten die kommende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie vor; die „Amberger Forderung" soll am 18. September beschlossen werden, gefolgt von der Forderungsentscheidung im Bezirk Bayern und im IG-Metall-Vorstand. Ergänzend läuft die Befragung „Zukunft Oberpfalz", mit der Beschäftigte anonym und betriebsbezogen zu ihrer Einschätzung von Arbeitsplatz und Standort befragt werden. 

ver.di: gefährlicher Sparkurs, Druck auf die öffentliche Daseinsvorsorge und Tarifrunden

Marina Mühlbauer, stellvertretende Geschäftsführerin von ver.di Oberpfalz, blickt mit großer Sorge auf die angekündigten Sparmaßnahmen am Universitätsklinikum Regensburg (UKR). Dort sollen bis zu 64 ärztliche Vollzeitstellen wegfallen – knapp zehn Prozent der rund 680 beschäftigten Ärztinnen und Ärzte. Die Auswirkungen dieser Sparpolitik auf den Pflegebereich sind indes noch völlig unklar. Hintergrund ist ein erwartetes negatives Jahresergebnis für 2026. Mühlbauer verwies zudem auf den zunehmenden Fachkräftemangel, insbesondere im Gesundheits- und Pflegebereich, sowie auf die wachsenden finanziellen Belastungen vieler Kommunen. Aus Sicht von ver.di sei eine starke öffentliche Daseinsvorsorge nur möglich, wenn ausreichend Personal vorhanden ist und die öffentlichen Haushalte dauerhaft handlungsfähig bleiben. Gleichzeitig laufen zahlreiche Tarifauseinandersetzungen, unter anderem im Groß- und Einzelhandel sowie in verschiedenen Finanz- und Dienstleistungsbereichen. Ein weiterer Schwerpunkt von ver.di bleibt die Vorbereitung der nächsten Tarifrunde im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Die aktuelle Laufzeit endet am 31. März 2027; die gewerkschaftliche Forderungsdiskussion beginnt bereits im Herbst. 

IGBCE Nordostbayern: Starke Mitbestimmung trifft auf schleichenden Stellenabbau

Rainer Hoffmann, Bezirksleiter der IGBCE Nordostbayern berichtete von einer sehr gelungenen Betriebsräte-Vollkonferenz mit über 150 Teilnehmenden zu den Themen Arbeits-Sozial/Betriebsverfassungsrecht und Rente sowie erfolgreichen Betriebsratswahlen mit einem hohen IGBCE Organisationsgrad in den gewählten Gremien von über 80 Prozent. Große Probleme gibt es speziell im Bereich der Glas- und Porzellanbetriebe mit Standortschließungen und Inanspruchnahme von Öffnungsklauseln. In anderen Bereichen ist ein „stiller/schleichender“ Personalabbau über Aufhebungsverträge zu vermelden. Der IGBCE Bezirk vermisst richtungsweisende Entscheidungen aus Berlin, die die Betriebe unterstützen um wettbewerbsfähiger zu werden.

NGG Region Oberpfalz: Warnstreiks in Milch- und Süßwarenindustrie

Geschäftsführer Rainer Reißfelder berichtete von zwei laufenden Tarifrunden. In der bayerischen Milchwirtschaft fordert die NGG neben einer Entgelterhöhung von 4,1 Prozent ein Wahlmodell, das Mehrarbeit je nach Wunsch der Beschäftigten in Geld oder Freizeit vergütet. Nachdem die Arbeitgeberseite in der zweiten Verhandlung am 29. Juni nur eine Auszahlungsoption ohne echtes Wahlrecht anboten habe, komme es in mehreren Betrieben zu ganzschichtigen Warnstreiks; die dritte Verhandlungsrunde ist für den 14. Juli 2026 in München angesetzt. In der bayerischen Süßwarenindustrie brachte auch die dritte Verhandlungsrunde keinen Durchbruch: Die NGG fordert 5,8 Prozent mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit sowie 80 Euro mehr für Auszubildende plus Fahrtkostenübernahme. Bereits am 19. Mai gab es dazu Warnstreiks bei Trolli und Lorenz Snacks in Neunburg vorm Wald.

IG BAU Oberpfalz: Tarifergebnisse und Personalwechsel an der Verbandsspitze

Petra Katens von der IG BAU Oberpfalz berichtete, dass im Bauhauptgewerbe zum 1. April 2026 eine Lohnerhöhung von 3,9 Prozent sowie einheitliche Löhne und Gehälter in Ost und West vereinbart wurden. Im Gebäudereiniger-Handwerk läuft der bestehende Tarifvertrag zum 31. Dezember 2026 aus; die IG BAU hat eine Tarifforderung von 2 Euro mehr pro Stunde für alle Lohngruppen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten aufgestellt. Vom 27. bis 30. September 2026 findet zudem der Gewerkschaftstag der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt in Kassel statt. Der Beirat der IG BAU empfiehlt dafür Carsten Burckhardt, aktuell stellvertretender Vorsitzender, als neuen Bundesvorsitzenden; der bisherige Vorsitzende Robert Feiger tritt nach 19 Jahren im Bundesvorstand nicht mehr an. 

DGB Oberpfalz: Sozialstaatsabbau zieht sich durch alle Bereiche

Aus Sicht des DGB Oberpfalz zeigen die Berichte der einzelnen Gewerkschaften ein gemeinsames Muster: Ob bei Mahle in Neustadt, am Uniklinikum Regensburg oder in der Glas- und Porzellanindustrie – überall gerät die Beschäftigungssicherheit unter Druck, während gleichzeitig auf Bundesebene Leistungen im Sozialstaat zur Disposition stehen. „Was wir heute aus den Betrieben und Gewerkschaften hören, ist kein Zufall, sondern hat System: Wenn in den Betrieben Stellen abgebaut werden, sind die Beschäftigten stärker denn je auf einen funktionierenden Sozialstaat angewiesen. Wird aber genau dann bei Rente, Gesundheit und Pflege gekürzt, trifft es die Menschen doppelt.Ein besserer Sozialstaat ist möglich und finanzierbar!“ so Christian Dietl. Die bayerischen DGB Gewerkschaften rufen für den 26. September in Nürnberg auf zum Protest gegen unsoziale Belastungen bei Arbeitnehmern und gesetzlich Versicherten und für den Erhalt sozialstaatlicher Errungenschaften.

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