Handwerk stärken heißt Gute Arbeit stärken
Stiedl: „Sichere Jobs und Tarifverträge sind die beste Antwort auf den Fachkräftebedarf.“
Stiedl: „Sichere Jobs und Tarifverträge sind die beste Antwort auf den Fachkräftebedarf.“ Zu den vom Bayerischen Landesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen zur Handwerkszählung 2024 erklärt der Vorsitzende des DGB Bayern, Bernhard Stiedl: „Ob beim Bauen, Sanieren, Reparieren, in der Mobilität oder bei der Versorgung vor Ort: Das Handwerk ist aus Bayern nicht wegzudenken. Die Zahlen des Landesamts zeigen, welche wirtschaftliche Bedeutung diese Betriebe für den Freistaat haben. Zugleich bleibt das Handwerk ein zentraler Bereich, in dem junge Menschen ins Berufsleben starten. Dass sich wieder mehr Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden, ist eine gute Nachricht – für die Betriebe, für die jungen Menschen und für Bayern insgesamt.“ Die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeitsbedingungen weiter verbessert werden müssen. Das Landesamt weist für das bayerische Handwerk rund 246.000 geringfügig Beschäftigte aus. Besonders hoch ist der Anteil im zulassungsfreien Handwerk. Stiedl weiter: „Rund eine Viertelmillion geringfügig Beschäftigte im bayerischen Handwerk sind ein Warnsignal. Wer junge Menschen für das Handwerk gewinnen und Fachkräfte im Beruf halten will, muss Unsicherheit abbauen statt sie zu vergrößern. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung, sachgrundlose Befristungen auszuweiten, weisen deshalb in die falsche Richtung. Das Handwerk braucht sozialversicherungspflichtige Jobs, planbare Einkommen und Arbeitsbedingungen, auf die sich Beschäftigte verlassen können.“ Aus Sicht des DGB Bayern ist die schwache Tarifbindung eines der zentralen Zukunftsprobleme im Handwerk. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren 2022 bundesweit nur rund 42 Prozent der Beschäftigten im Handwerk in einem tarifgebundenen Betrieb tätig. Für das bayerische Handwerk liegen keine aktuellen Sonderzahlen vor. Klar ist aber: Der Freistaat muss mehr dafür tun, dass Beschäftigte unter den Schutz von Tarifverträgen fallen. Dafür braucht Bayern endlich ein eigenes Tariftreuegesetz. „Wer öffentliche Aufträge des Freistaats erhält, muss tarifliche Standards einhalten – bei der Bezahlung genauso wie bei den Arbeitsbedingungen. Das schützt Beschäftigte und sorgt zugleich für fairen Wettbewerb. Betriebe, die ordentlich ausbilden und bezahlen, dürfen nicht von Dumpingkonkurrenz unterboten werden. Gerade im Handwerk ist das entscheidend: Es reicht nicht, junge Menschen auszubilden, sie müssen nach der Ausbildung auch bleiben wollen. Für die Energiewende wird Bayern auf gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Handwerk angewiesen sein, etwa bei Gebäudesanierung, Wärmewende, Photovoltaik und moderner Infrastruktur. Sichere Jobs und Tarifverträge sind deshalb die beste Antwort auf den Fachkräftebedarf“, so Stiedl. Über die öffentliche Vergabe hinaus braucht es weitere Schritte, um die Tarifbindung zu stärken: leichtere Allgemeinverbindlicherklärungen von Tarifverträgen und wirksame Regeln gegen Tarifflucht. „Ein starkes Handwerk braucht starke Beschäftigte. Wer das Handwerk als Rückgrat der bayerischen Wirtschaft würdigt, muss auch dafür sorgen, dass Gute Arbeit dort zum Standard wird“, so Stiedl abschließend. |