Ein Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung vom 30.01.2026 („Experte: Steigender Mindestlohn bedroht Arbeitsplätze“) erweckt den Eindruck, höhere Mindestlöhne gefährdeten Jobs. Der DGB-Kreisverband Regensburg widerspricht entschieden: Diese Behauptung ist seit Jahren wissenschaftlich widerlegt. Der Mindestlohn sorgt für sichere Einkommen, stabilisiert die Kaufkraft – und gefährdet Beschäftigung nicht pauschal.
„Schon vor Einführung des Mindestlohns war die angeblich bevorstehende Vernichtung von Arbeitsplätzen die größte Drohgebärde der Arbeitgeberverbände. Gestimmt hat sie nie. Wir müssen endlich aufhören, alte Mythen über den Mindestlohn immer wieder aufzuwärmen“, sagt Rico Irmischer, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Regensburg.
Forschungslage: Keine pauschalen Jobverluste
Die Forschung im Auftrag der Mindestlohnkommission und zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Mindestlohnerhöhungen führen nicht automatisch zu Entlassungen. Unternehmen reagieren typischerweise mit besserer Arbeitsorganisation, moderaten Preisanpassungen oder Produktivitätssteigerungen. Gleichzeitig sinkt die Fluktuation – Beschäftigte bleiben häufiger im Betrieb, Know-how geht weniger verloren, und das stärkt auch die Betriebe.
Mehr Kaufkraft vor Ort – gut für Regensburg
Gerade in einer Region wie Regensburg, in der Handel, Gastronomie und Dienstleistungen viele Arbeitsplätze stellen, wirkt ein höherer Mindestlohn direkt: Menschen mit niedrigen Einkommen geben zusätzliches Geld überwiegend unmittelbar wieder aus. Das stärkt lokale Geschäfte, Handwerk und Dienstleistungen – und stabilisiert die regionale Wirtschaft.
„Der Mindestlohn wirkt. Er schützt Menschen, die tagtäglich in wichtigen Berufen arbeiten, und er sichert ihre Würde“, betont Katja Ertl, stellvertretende Vorsitzende des DGB Regensburg. „Es geht hier nicht um abstrakte Theorien – es geht um Beschäftigte, die unser Gemeinwesen tragen. Wer arbeitet, muss davon leben können.“
DGB: Mindestlohn ist Haltelinie – Tarifbindung bleibt zentral
Der DGB macht klar: Der Mindestlohn ersetzt keine Tarifverträge – aber er setzt eine unverzichtbare Haltelinie gegen Lohndumping. Entscheidend bleibt, die Tarifbindung zu stärken, damit gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen wieder zur Regel werden.
„Der Mindestlohn ist kein Luxus und auch kein Hindernis für wirtschaftliche Entwicklung“, so Irmischer weiter. „Er ist die absolute Haltelinie für faire und menschenwürdige Arbeit.“
Ertl ergänzt: „Wir werden uns in Regensburg weiterhin entschieden dafür einsetzen, dass die Debatte faktenbasiert geführt wird. Es darf nicht sein, dass Beschäftigte als Problem dargestellt werden, nur weil sie einen gerechten Lohn erhalten sollen.“
Fazit: Ein starker Mindestlohn ist notwendig, sozial gerecht und wirtschaftlich sinnvoll. Er sichert Existenzen, stärkt die Region – und bedroht Arbeitsplätze nicht pauschal.
„Gute Arbeit braucht gute Löhne. Der Mindestlohn ist das Mindeste.“
Bildnachweis: Katja Ertl