Rente und Sozialstaat: DGB und ver.di übergeben Rentenkonzept an Bundestagsabgeordneten Peter Aumer
Rentenkonzept an Peter Aumer (CSU) übergeben
Vertreterinnen und Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Gewerkschaft ver.di haben den Regensburger Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (CSU) zu einem Gespräch über die Zukunft des Sozialstaats getroffen. Im Mittelpunkt standen die geplanten Reformen der sozialen Sicherungssysteme – insbesondere die Rente – sowie die Übergabe des Rentenkonzepts des DGB an den Abgeordneten, der zugleich sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag ist. An dem Gespräch nahmen Christian Dietl (Regionsgeschäftsführer DGB Region Oberpfalz), Katja Ertl (Organisationssekretärin DGB Region Oberpfalz), Marina Mühlbauer (stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin ver.di Oberpfalz) und Alexander Gröbner (Bezirksgeschäftsführer ver.di Oberpfalz) teil.
Sozialstaat als Standortvorteil – nicht als Sparposten
DGB und ver.di machten deutlich, dass sie die derzeitige Reformdebatte mit Sorge verfolgen. Nach ihrer Auffassung drohten die geplanten Vorhaben, den Sozialstaat vor allem über Kürzungen und schärfere Sanktionen umzubauen, statt strukturelle Verbesserungen zu erreichen. Die Gewerkschaften betonten, dass soziale Sicherheit und gute Arbeitsbedingungen keine Belastung, sondern eine Voraussetzung für eine leistungsfähige Wirtschaft seien. Christian Dietl erläuterte: „Der Sozialstaat ist kein Kostenfaktor, den man in schwierigen Zeiten zurückfährt – er ist ein Standortvorteil. Wer soziale Sicherung und Arbeitsschutz gegen die wirtschaftliche Erholung ausspielt, verkennt, dass beides zusammengehört. Wir wollen Reformen, die die Menschen mitnehmen, keine Verunsicherung." Die Gewerkschaften verwiesen darauf, dass sie Vereinfachung, Entbürokratisierung und eine breitere Finanzierungsbasis ausdrücklich unterstützten. Der Streit gehe um die Richtung der Reformen, nicht um die Frage, ob der Sozialstaat weiterentwickelt werden solle.
Rentenkonzept des DGB übergeben
Kernstück des Gesprächs war die Übergabe des Rentenkonzepts des DGB an Peter Aumer. Die zentralen Forderungen:
- Die gesetzliche Rente muss das lebensstandardsichernde Fundament der Alterssicherung bleiben.
- Das Rentenniveau soll angehoben werden – auf 50 Prozent, perspektivisch 53 Prozent.
- Ergänzend fordert der DGB eine verpflichtende, arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente für alle Beschäftigten.
- Der DGB lehnt eine Anhebung des Renteneintrittsalters ab und tritt für den Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ein – als Anerkennung langer Erwerbsbiografien.
- Abgelehnt wird auch die Vermischung von umlagefinanzierter Rente und Kapitaldeckung, weil sie das Risiko verdeckter Leistungskürzungen und eine Abhängigkeit von den Kapitalmärkten mit sich bringe.
- Stattdessen soll die Rente auf eine breitere Basis gestellt werden: mehr Einzahlende und eine gerechtere Finanzierung.
Katja Ertl stellt fest: „Wer 45 Jahre lang eingezahlt und oft körperlich hart gearbeitet hat, verdient eine verlässliche Rente – und kein weiter steigendes Renteneintrittsalter, das für viele faktisch eine Kürzung bedeutet. Die gesetzliche Rente muss gestärkt werden, nicht zur bloßen Basisabsicherung herabgestuft." DGB und ver.di kündigten an, den Austausch mit den Abgeordneten der Region fortsetzen zu wollen.
Nachweis: Michaela Wirth