Stiedl: „Wir gehen davon aus, dass dieser Vorschlag in der Staatskanzlei auf besonderes Interesse stoßen dürfte.“
Der DGB Bayern fordert die Einführung eines zusätzlichen gesetzlichen Feiertags im Freistaat: den „Tag der Weißwurst“ am 22. Februar. Damit solle eine bayerische Tradition gewürdigt werden, die für viele Menschen weit mehr ist als nur ein kulinarisches Ritual – nämlich ein Moment der Entschleunigung in einem zunehmend verdichteten Alltag.
„Die Weißwurst steht wie kaum ein anderes Symbol für bayerische Lebensart: innehalten, zusammensitzen, miteinander reden. Genau das kommt im Arbeitsalltag vieler Beschäftigter viel zu kurz“, erklärt der Vorsitzende des DGB Bayern, Bernhard Stiedl. „Wer immer nur auf Leistung und Tempo setzt, riskiert am Ende die Gesundheit der Beschäftigten – und damit auch den sozialen Zusammenhalt.“
Der Gewerkschaftsbund verweist darauf, dass die Debatte der vergangenen Monate stark von Forderungen geprägt war, die Arbeitszeit auszuweiten und zusätzliche Belastungen für Beschäftigte zu schaffen. Dem setze man bewusst einen anderen Akzent entgegen. „Wir erleben gerade eine Diskussion, die oft nur in eine Richtung geht: mehr arbeiten, länger arbeiten, flexibler arbeiten. Was dabei zu kurz kommt, ist die Frage, wie Arbeit so gestaltet werden kann, dass sie dauerhaft gesund und gut leistbar bleibt“, so Stiedl.
Ein zusätzlicher Feiertag könne hier ein wichtiges Signal sein – nicht nur symbolisch. „Erholung ist kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung dafür, dass Menschen leistungsfähig bleiben. Wer gute Arbeit will, muss auch für ausreichende Erholungszeiten sorgen“, betont Stiedl.
Dass ausgerechnet der „Tag der Weißwurst“ hierfür ein geeigneter Anlass sei, liege auch an seiner kulturellen Verankerung: „Traditionen sind dann lebendig, wenn sie im Alltag der Menschen verankert sind. Und genau das ist hier der Fall – vom Wirtshaus bis zur heimischen Küche.“
Mit Blick auf die politische Umsetzung zeigt sich der DGB Bayern vorsichtig optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass dieser Vorschlag in der Staatskanzlei auf besonderes Interesse stoßen dürfte“, so Stiedl. „Ministerpräsident Söder hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, welchen Stellenwert bayerische Esskultur für ihn hat. Ein gesetzlicher Feiertag rund um die Weißwurst wäre da nur der nächste logische Schritt“, so Stiedl abschließend.