Stiedl: „Zukunftsdialog mit Arbeitgebern und Gewerkschaften im Freistaat muss zügig wiederbelebt werden!“
Der DGB Bayern hat am Tag der Arbeit scharfe Kritik am Umgang vieler Unternehmen mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage geübt. Angesichts von Stellenabbau und Standortverlagerungen warf der Gewerkschaftsbund den Arbeitgebern vor, zu wenig in die Zukunft zu investieren und stattdessen kurzfristige Renditeinteressen in den Vordergrund zu stellen.
Der Vorsitzende des DGB Bayern, Bernhard Stiedl, erklärte auf der Maikundgebung in Bamberg: „Kahlschlag ist keine Strategie – das ist eine Bankrotterklärung des Managements. In den Chefetagen hat man sich zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht, statt konsequent in Standorte und Beschäftigte zu investieren.“
Zugleich kritisierte Stiedl, dass Unternehmen staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen, während gleichzeitig Arbeitsplätze verlagert werden: „Es darf doch nicht sein, dass Milliarden an Fördermitteln abgegriffen werden, die Produktion neuer Technologien aber in Billiglohnländer verlagert wird. Wer vom Staat profitiert, muss auch Verantwortung für Arbeitsplätze und Standorte übernehmen.“
Der DGB Bayern fordert deshalb eine klare industriepolitische Strategie für den Freistaat, damit Wertschöpfung, gute Arbeit und industrielle Produktion in Bayern gehalten werden können. Ziel müsse sein, den Industriestandort Bayern langfristig zu sichern. Stiedl sagte dazu: „Bayerns Arbeitsmarkt steht unter Druck, vor allem in der Industrie. Allein im verarbeitenden Gewerbe sind seit 2023 über 64.000 Arbeitsplätze weggefallen. Das ist ein klares Warnsignal. Jetzt geht es darum, die Zukunft der Arbeit in Bayern neu zu gestalten – und da kommt an uns Gewerkschaften niemand vorbei.“
Laut Stiedl habe die Staatsregierung erkannt, wie wichtig ein neuer und verbindlicher Dialog über die Zukunft des Industriestandorts ist: „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend ist jetzt, dass dieser Zukunftsdialog mit Arbeitgebern und Gewerkschaften im Freistaat zügig wiederbelebt wird. Wer Transformation ernst meint, muss die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen als gleichberechtigte Partner einbeziehen – sonst wird sie nicht gelingen.“
Stiedl wandte sich außerdem gegen aktuelle politische Debatten über längere Arbeitszeiten und Einschnitte im Sozialstaat. „Wer über längere Arbeitstage spricht, statt über Investitionen und Innovation, löst kein einziges Problem in den Betrieben“, so der Gewerkschafter. Stattdessen brauche es Reformen, die Wachstum, Beschäftigung und sozialen Zusammenhalt stärken. Dazu gehörten Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Industrie ebenso wie mehr Steuergerechtigkeit und ein starker Sozialstaat. „Gerade in Zeiten von Umbruch und Unsicherheit brauchen Beschäftigte Sicherheit und Verlässlichkeit. Wer den Sozialstaat schwächt, gefährdet am Ende des Tages auch die Akzeptanz für notwendige Veränderungen in den Betrieben“, so Stiedl abschließend.