Gemeinsamer Aufruf von AWO, kath. Betriebsseelsorge und DGB
In einem gemeinsamen Aufruf appellieren Peter Tschochohei, Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Martina Berndt-Hoffmann von der katholischen Betriebsseelsorge (sie ist in ihrer Organisation für den Landkreis Günzburg zuständig) und der DGB-Kreisvorsitzende Werner Gloning an die Wähler*innen im Landkreis Günzburg, bei den Kommunalwahlen am 8. März der AfD keine Stimme zu geben. Martina Berndt-Hoffmann zitiert zur Begründung für ihre Unterstützung des Aufrufs die Aussage der katholischen Bischofskonferenz: „Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchern, können für Christinnen und Christen kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind auch nicht wählbar.“ Für den Kreisvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Peter Tschochohei ist die AfD-Hetze gegen Ausländer*innen auch aus ökonomischen Gründen „abgrundtief dumm“. Tschochohei: „Unser Gemeinwesen und unsere Wirtschaft würden ohne Arbeitnehmer*innen mit Migrationshintergrund und ohne ausländische Kolleg*innen sehr schnell zusammenbrechen. Die meisten Krankenhäuser, Seniorenheime und Pflegedienste müssten schließen. Die meisten Supermärkte dicht machen. Die Gastronomie gäbe es weitgehend nicht mehr, der öffentliche Nahverkehr und der Güterverkehr ständen still und und und. Der DGB-Kreisvorsitzende Werner Gloning sieht erschreckend viele Parallelen zwischen der NSDAP von vor 1933 und der AfD von heute. Die politische Strategie der NSDAP seien damals Nationalismus, Hass und Hetze und das Schüren einer Pogromstimmung gegen bestimmte Gruppen gewesen. Haargenau die gleiche Strategie verfolge die AfD heute.
Tschochohei, Berndt-Hoffmann und Gloning sind sich einig: Natürlich sind AfD-Wähler*innen und AfD-Kandidat*innen nicht automatisch Rechtsextremist*innen. Aber das waren, so argumentieren sie, viele NSDAP-Wähler*innen und selbst NSDAP-Mitglieder vor 1933 auch nicht. Zumindest nicht in dem Sinne, dass sie das wollten, was dann nach 1933 gekommen ist. Sie waren sogar oft freundliche und hilfsbereite Nachbar*innen und Arbeitskolleg*innen, die im persönlichen Umfeld auch mit Ausländer*innen, einen normalen Umgang pflegen. Das gleiche gilt heute auch für AfD-Wähler*innen und -Mitglieder. Das ändere aber nichts daran, dass die NSDAP-Wähler*innen damals dafür verantwortlich waren, dass eine Lawine losgetreten wurde, von der der Schriftsteller Erich Kästner später sagte: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat. Und wer heute AfD wählt, sei verantwortlich dafür, wenn wieder eine Lawine losgetreten wird, und hat aus 1933 nichts gelernt. Tschochohei, Berndt-Hoffmann und Gloning bieten denen, die, aus welchen Gründen auch immer, erwägen, aus Protest evtl. AfD zu wählen, an, mit ihnen zu diskutieren, wenn sie ernsthaft gesprächsbereit sind. Gleichzeitig appellieren sie an die, die – „wie wir auch“ - mit dem derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft und mit der derzeitigen Politik nicht zufrieden sind: „Kämpfen Sie mit denen, die mehr Gerechtigkeit wollen! Nutzen Sie die Chancen, die unsere Demokratie nach wie vor bietet! Wenn die AfD & Co. das Sagen haben sollten, gibt es diese Chance nicht mehr, oder sie wird zumindest massiv eingeschränkt werden.“