Deutscher Gewerkschaftsbund

25.01.2021

Rentenreport Bayern 2021

Rund 81 Prozent der Frauen und knapp 45 Prozent der Männer, die 2019 in Bayern in Rente gingen, blieben mit den Zahlbeträgen ihrer gesetzlichen Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 1.155 Euro. Nicht nur dieses Ergebnis zeigt, dass wir von einer guten Rente, die allen Menschen ein Leben im Alter in Würde ermöglicht, noch weit entfernt sind.

Neurentner des Jahres 2019 kamen im Durchschnitt auf einen Zahlbetrag von 1.167 Euro, während Bestandsrentner 1.221 Euro erhielten. Hier zeigen sich die Auswirkungen eines sinkenden Rentenniveaus. Trotz nominaler Steigerungen bleiben die Zahlbeträge der Neurentner unter denen, die zuvor schon eine Altersrente bezogen.

Neurentnerinnen verzeichnen mit einer Altersrente von 748 Euro eine leichte Steigerung von 13 Euro gegenüber den Bestandsrentnerinnen. Darin spiegelt sich wider, dass Frauen häufiger und länger erwerbstätig waren als in früheren Zeiten.

Allerdings zeigt sich auch, dass die Rentenzahlbeträge der Frauen denen der Männer noch immer deutlich hinterherhinken. Dafür gibt es strukturelle Gründe: unterbrochene Erwerbsverläufe durch Kindererziehung und Pflegearbeit, (unfreiwillige) Teilzeitarbeit und das Tragen der Hauptlast der atypischen Beschäftigung samt Niedriglöhnen. Die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf müssen in Bayern endlich mit den Bedarfen übereinstimmen. Hierzu zählen auch Anreizsysteme, um die ungleiche Verteilung der Sorge- und Pflegearbeit gerechter zwischen den Geschlechtern zu verteilen.

Der "Rentenreport Bayern 2021" ist der fünfte Bericht des DGB Bayern zur Situation der Rentnerinnen und Rentner in Bayern. Bisher erschienen sind der "Rentenreport Bayern 2018", der "Rentenreport Bayern 2016", der "Rentenreport Bayern 2014" sowie der Report "Arbeitsqualität und Rente in Bayern".

Titelbild Rentenreport Bayern 2021

DGB Bayern

Auch regional, auf der Ebene der bayerischen Kreise und kreisfreien Städte, zeigt sich ein großes Gefälle. Während Neurentnerinnen im Landkreis München auf eine Durchschnittsrente in Höhe von 890 Euro kamen, erhielten sie im Landkreis
Freyung-Grafenau lediglich 592 Euro. Bei den Männern ist die Durchschnittsrente im Landkreis Eichstätt am höchsten. Neurentner kamen dort 2019 auf 1.465 Euro. Am niedrigsten lag die Durchschnittsrente in der Stadt Augsburg mit 805 Euro. 

Das durchschnittliche Zugangsalter zu einer Altersrente in Bayern steigt dem Trend folgend weiter leicht an. Für Frauen liegt dieses für 2019 bei 64,5 Jahren. Männer gehen in Bayern im Schnitt mit 64 Jahren in Altersrente. Angesichts der gesetzlichen Entscheidungen hin zu einer Regelaltersgrenze mit 67 dürfte sich das Zugangsalter weiter erhöhen. Im Jahr 2019 lag die Regelaltersgrenze bereits bei 65 Jahren und 8 Monaten. Nicht zuletzt angesichts der dramatisch einbrechenden Beschäftigungsquoten im rentennahen Bereich – von den 65-Jährigen waren 2019 nur noch 11,5 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt – geht die steigende Regelaltersgrenze mit dem Ziel „Rente mit 67“ an der Lebensrealität der Menschen vorbei.

Zudem gelingt oftmals der nahtlose Übergang vom Erwerbsleben in die Rentenphase nicht. Krankheit oder Arbeitslosigkeit entwerten regelrecht Lebensleistungen. So sind etwa psychische Erkrankungen der häufigste Grund für eine Erwerbsminderung. Während bei den Erwerbsminderungen der Männer 33,9 Prozent auf diese Diagnose zurückgehen, sind es bei den Frauen mit 44,7 Prozent nochmals deutlich mehr. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, die Arbeitsbedingungen verstärkt in den Blick zu nehmen. Verdichtung, Flexibilisierung und Entgrenzung der Arbeitswelt führen zu hohen psychischen Belastungen mit darauffolgenden Erkrankungen. Hier braucht es Veränderungen hin zu gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen.


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