Deutscher Gewerkschaftsbund

07.12.2018

Rentenreport Bayern 2018

Der Rentenreport 2018 des DGB Bayern zeigt, dass nach wie vor Korrekturbedarf zur Stärkung der gesetzlichen Rente besteht.

Die Renten-Bezüge der Männer, die 2017 in Rente gingen (Neurentner), haben im Vergleich zu den Renten derjenigen, die bereits zuvor in Rente waren (Bestandsrentner), deutlich abgenommen. Erhielten Neurentner im Jahr 2017 durchschnittlich 1.081 Euro, hatten die Bestandsrentner mit 1.141 Euro monatlich noch 60 Euro mehr zur Verfügung.

Neurentnerinnen, also Frauen, die 2017 aus dem Berufsleben ausschieden, konnten hingegen ein leichtes Rentenplus verzeichnen. Sie erhielten im Schnitt eine Rente von 684 Euro und somit 30 Euro mehr als Bestandsrentnerinnen, die vor 2017 verrentet wurden.

Insgesamt liegen mehr als 70 Prozent der Frauen und gut 37 Prozent der Männer, die 2017 in Rente gingen, mit einer gesetzlichen Altersrente von weniger als 900 Euro deutlich unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 1.074 Euro.

Die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede verweisen auf differenzierte Erwerbsbiografien und unterschiedliche Lohnniveaus bei Männern und Frauen. Frauen erhielten 2017, bezogen auf die Altersrente, im Schnitt nur rund 63 Prozent der Neurenten der Männer. Damit liegt die Differenz ("Gender Pension Gap") mit rund 37 Prozent nochmals deutlich über dem ohnehin schon hohen Verdienstunterschied ("Gender Pay Gap") von 24 Prozent in Bayern.

Die Steigerung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen ist insgesamt positiv zu bewerten, allerdings erhöhen sich in Bayern Jahr für Jahr auch die atypischen Beschäftigungsformen. Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs sind weiterhin auf dem Vormarsch und erreichen immer neue Höchststände. Die Folge davon sind geringere Beiträge an die Rentenversicherung  und damit verbunden geringere Ansprüche im Rentenfall.

Hier sind mit einem Anteil von 73 Prozent vor allem Frauen betroffen, die etwa durch unterbrochene Erwerbsverläufe aufgrund familiärer Betreuungsaufgaben häufiger in prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit meist schlechterer Bezahlung gedrängt werden.

Der "Rentenreport Bayern 2018" ist der vierte Bericht des DGB Bayern zur Situation der Rentnerinnen und Rentner in Bayern. Bisher erschienen sind der "Rentenreport Bayern 2016", der "Rentenreport Bayern 2014" sowie der Report "Arbeitsqualität und Rente in Bayern".

Titelbild Rentenreport Bayern 2018

DGB Bayern

Auch die regionalen Unterschiede der Rentenbezüge sind weiterhin eklatant.

Die höchste gesetzliche Durchschnittsrente für Neurenten der Männer in Bayern wurde im Landkreis Erlangen-Höchstadt erzielt. Diese lag 2017 bei 1.368 Euro. Schlusslicht ist hier die Stadt Augsburg mit 662 Euro Rente im Monat.

Neurentnerinnen im Landkreis München kamen auf durchschnittlich 833 Euro. Im Landkreis Regen mussten sich die Neurentnerinnen hingegen im Schnitt mit 527 Euro begnügen.

Im langjährigen Vergleich ist erkennbar, dass das Zugangsalter bei der Altersrenten in Bayern sowohl für Männer als auch für Frauen steigt. Männer gingen im Jahr 2017 mit einem durchschnittlichen Eintrittsalter von 63,9 Jahren statistisch gesehen etwas früher in die Altersrente als Frauen, die zum Zeitpunkt des Renteneintritts im Schnitt 64,2 Jahre waren. Die Zahlen verdeutlichen, dass die von der Politik durchgeführte schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre an der Lebensrealität der Menschen in Bayern vorbei geht. Im Jahr 2017 gingen in Bayern lediglich noch 53 Prozent der 60-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.

Die Voraussetzungen für ein langes und gesundes Arbeitsleben sind offensichtlich derzeit nicht gegeben. Die Beschäftigtenbefragung zum DGB-Index Gute Arbeit 2017 zeigt, wo die Probleme liegen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitsbedingungen genauer in den Blick genommen werden müssen.

Mit dem von der Bundesregierung verabschiedeten Rentenpaket ist der Sinkflug der gesetzlichen Rente vorerst gestoppt. Langfristig gesehen ist das allerdings nicht ausreichend. Perspektivisch ist daher eine Erhöhung des gesetzlichen Rentenniveaus unabdingbar.


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