Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 04/2021 - 25.01.2021

DGB-Rentenreport: Gesetzliche Rente stärken – Altersarmut verhindern

Di Pasquale: „Wir brauchen ein höheres Rentenniveau und gute Arbeit statt Niedriglöhne.“

Rund 81 Prozent der Frauen und knapp 45 Prozent der Männer, die 2019 in Bayern in Rente gingen, blieben mit den Zahlbeträgen ihrer gesetzlichen Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 1.155 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Rentenreport des DGB Bayern mit den aktuellsten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

„Auch der Blick auf die steigende Altersarmut in Bayern zeigt, dass die gesetzliche Rente für viele ältere Menschen nach wie vor nicht reicht, um den Lebensstandard zu sichern. Und die Corona-Krise führt nochmals zu einer deutlichen Verschärfung“, so Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern.

So lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2019 für ältere Menschen (65 Jahre und älter) bei 22 Prozent, bei Frauen ab 65 Jahren war gar jede vierte betroffen. Im Jahr 2005 waren es noch 4 bzw. 4,4 Prozentpunkte weniger. Daneben steigen in Bayern auch die Zahlen der Menschen, die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung beziehen. Ende 2019 waren dies 126.096 Menschen. (2006: 82.833)

Um Altersarmut zu verhindern, sei es laut Di Pasquale erforderlich, das Rentenniveau langfristig wieder auf mindestens 50 Prozent anzuheben. „Daneben ist es gute Arbeit, die vor Altersarmut schützt, das heißt sozialversicherungspflichtige und tarifgebundene Arbeit. Anstelle von Niedriglöhnen und Minijobs brauchen wir endlich mehr Sicherheit und Perspektiven in der Arbeitswelt“, so Di Pasquale.

Der Report weist zudem auf große geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Rentenzahlbeträgen hin. Di Pasquale: „Hier hinken die Frauen den Männern noch immer deutlich hinterher. Während etwa Neurentner im Jahr 2019 eine durchschnittliche Rente von 1.167 Euro erhielten, mussten Frauen, die 2019 erstmals eine Altersrente bezogen, mit 748 Euro auskommen.“

Di Pasquale zufolge seien hierfür strukturelle Gründe wie unterbrochene Erwerbsverläufe oder Teilzeitarbeit verantwortlich: „Hinzu kommt, dass Frauen die Hauptlast der atypischen Beschäftigung samt Niedriglöhnen tragen. Wir brauchen mehr Veränderungen für mehr Gleichstellung. Die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf in Bayern müssen endlich mit den Bedarfen übereinstimmen. Hierzu zählen auch Anreizsysteme, um die ungleiche Verteilung der Sorge- und Pflegearbeit gerechter zwischen den Geschlechtern zu verteilen“, so Di Pasquale abschließend.

 

Weitere Zahlen und Fakten zur aktuellen Situation der Rentnerinnen und Rentner im Freistaat finden Sie im neuen Rentenreport des DGB Bayern. Den Report können Sie hier in digitaler Form herunterladen.


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